Spielberichte

Der violette 360° Blick: Woche #7

Zwei Siege in Folge konnte die Austria in der Bundesliga holen, nachdem in den ersten drei Runden nur ein Punkt geholt werden konnte.

Das Austria-Werkl kommt mehr und mehr ins Laufen, 2:1-Siege gegen die WSG und den WAC sind ein Beleg dafür. Zwischen dem Bundesliga-Alltag wartet bis Anfang November wöchentlich ein internationaler Auftritt, so auch am vergangenen, sowie am kommenden Donnerstag gegen Fenerbahce.

Dienstag bedeutet: der violette 360°-Blick. Zurück auf das Hinspiel gegen Fenerbahce, in die Gegenwart rund um viele Ausfälle und die Auslosung der Gruppenphase, nach vorne auf der Rückspiel gegen Fenerbahce und das Gastspiel in Klagenfurt.

Manfred Fischer im Strafraum von Fenerbahce, in dem die Austria am vergangenen Donnerstag nicht so oft war

Der Blick zurück I: 0:2-Niederlage gegen Fenerbahce

Am Anfang und am Ende des Spiels musste Christian Früchtl hinter sich greifen – und damit wohl insbesondere in einem Play-Off-Duell zu den ungünstigsten Zeitpunkten. Besonders schwer wiegt dabei das zweite Mal, das das Rückspiel in Istanbul am kommenden Donnerstag deutlich aussichtsloser macht als es bei einem 0:1 gewesen wäre.

Der Matchplan von Manfred Schmid überraschte nicht. Sein Ziel war, defensiv die Räume zu verdichten und so das Kombinationsspiel der Türken nie in Fahrt kommen zu lassen. Dafür setzte er auf eine Fünferkette, in der Billy Koumetio erstmals von Beginn spielte, wenn auch als Linksfuß auf der Position des halbrechten Innenverteidigers. Ein weiteres Mittel zum Zweck war ein hohes Pressing. Indem Fenerbahce bereits früh attackiert wurde und die Austria im Mittelfeld recht kampfstark agierte, gelang es auch tatsächlich, dass die Gäste selten vor das Tor von Früchtl kamen. Der dritte Eckpfeiler des Matchplans: Schnelles, direktes Umschaltspiel, um so selbst zu Chancen zu kommen, mit Wustinger als “Zehner”, der sowohl defensiv als auch offensiv wertvoll ist, und mit Huskovic und Fitz als zwei bewegliche, kleinere Stürmer, wobei insbesondere Huskovic Gang in die Tiefe hat.

Ein Teil des Fußballs ist aber auch, dass ein Matchplan in der Realität schnell durcheinander gewirbelt werden kann. Mal durch einen Ausschluss, wie vor einer Woche gegen die WSG Tirol, mal durch Verletzungen, wie gegen Fenerbahce. Der bis dahin bärenstarke Florian Wustinger musste bereits nach weniger als einem Drittel des Spiels vom Feld, was das Austria-Spiel grundlegend veränderte, denn ab dann agierte Fitz auf seiner “Zehner”-Position, der nicht so lauf- und zweikampfstark wie Wustinger ist, zugleich fehlte Fitz aber an vorderster Front, wo Tabakovic Austrias tiefstehende, auf Konter ausgelegte Spielidee nicht entgegenkam.

Zur Halbzeit kam es noch bitterer: mit Huskovic musste auch noch der für das Offensivspiel wichtigste Spieler verletzt hinaus. Der Angreifer war sowohl im Sichern von Bällen als auch im Spiel in die Tiefe ein Schlüsselspieler, der ab dann sichtlich fehlte und von Jukic nicht eins zu eins ersetzt werden konnte.

Unter diesen Umständen, aber auch durch den mangelnden Spielfluss in einer von Unterbrechungen geprägten ersten Halbzeit, präsentierte sich die Austria sehr kampfstark und defensiv weitgehend souverän, letztlich aber nie so richtig gefährlich, um Zählbares mitnehmen zu können. Manfred Schmid sprach nach dem Spiel von einer “sehr guten Leistung” seines Teams, auch die Spieler selbst und der Großteil der Fans war mit dem Auftritt nicht unzufrieden, auch wenn man letztlich chancenlos war.

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Der Blick zurück II: 2:1-Sieg beim Wolfsberger AC

Das Gastspiel in Wolfsberg am vergangenen Sonntag war Austrias erster Abschluss einer englischen Woche, in der erst rund 66 Stunden vor dem Anpfiff der letzte Matchtag beendet wurde. Wie im verteilerkreis.at-Interview angekündigt, präsentierte sich Manfred Schmid aber nicht als großer “Rotierer”, sondern veränderte gegenüber dem Spiel gegen Fenerbahce nur drei Positionen, wovon zwei auf die von Verletzungen zurückgekehrten James Holland und Andreas Gruber fielen.

Schmid überraschte in Wolfsberg. Er bot erneut eine 5-3-2-Formation auf (konkret ein 5-2-1-2 oder im Ballbesitz oft ein 3-5-2) und verzichtete auf einen nominellen Stürmer mit Strafraumpräsenz. Braunöder wurde erstmals nicht als 6er/8er, sondern als 10er aufgeboten, Fischer agierte defensiver als er. Der Matchplan hatte insbesondere ein Ziel: die großen, robusten, aber langsamen Innenverteidiger mit Bällen hinter die Abwehr auszuhebeln und Andreas Gruber möglichst oft in die Tiefe zu schicken. Dieses Vorhaben machte durchaus Sinn, wenn man auf die Stärken und Schwächen des WAC blickt, sichtlich war dieser zu Beginn auch tatsächlich überrascht und auf ein violettes 4-2-3-1 eingestellt.

Bloß: der Plan ging in der ersten Halbzeit nicht auf. Das lag nicht nur daran, dass sich der WAC ab Minute 10 besser darauf eingestellt hat und den FAK-Spielaufbau zunehmend unterbunden hat. Es lag vor allem auch am schlechten Positionsspiel der Veilchen, technischen Fehlern (z.B. 35′ Gelbe Karte Ranftl) und zu viel Hektik beim versuchten Spiel in die Tiefe. Mal wurden die Lochpässe zu schnell oder zu unpräzise gespielt, mal war auch Gruber zu hektisch (22′ oder 31′). Immerhin konnte der WAC weitgehend vom eigenen Tor ferngehalten werden (z.B. durch gutes Pressing von Fitz in 8′ oder Holland in 12′ und 13′), das 1:0 fiel aus einer Freistoßvariante, die Röcher in Position brachte, wenngleich Fischer und Holland dabei schlecht verteidigten.

Dennoch war es ebendiese Spielidee, durch die alle drei Austria-Tore des Tages entstanden: in der 35. Minute setzte Fitz den in die Tiefe laufenden Gruber perfekt in Szene, in der 58. Minute gab abermals der in die Tiefe laufende Gruber den Impuls zu Braunöders Tor, das jedoch aberkannt wurde (Abseits), in der 65. Minute war es Billy Koumetio, der Gruber perfekt in die Tiefe schickte, ebendieser sah den mitsprintenden Djuricin, dessen erster Ballkontakt zum Goldtor des Abends wurde.

Der Austria gelang es ab diesem Führungstreffer, die Kärntner in Schach zu halten. Was nicht gelang, war die Entscheidung in einem der vielen Konter, beispielsweise in 78′ durch Jukic oder in 82′ durch Djuricin. Im Finish wurde mit Tabakovic ein Spieler eingewechselt, der zum Konterspiel am ersten Blick nicht so gut passte wie es beispielsweise Keles getan hätte, aber der Stürmer war für das Sichern von Bällen und vor allem defensiv gegen Standard des WAC eine nachvollziehbare Wahl. Generell präsentierte sich die Austria in der zweiten Halbzeit aber deutlich ballsicherer, gefährlicher und dominanter als vor der Pause. Das lag auch an Anpassungen von Manfred Schmid, die abseits.at-Analyst Dalibor Babic hier lesenswert analysiert.

Abseits der taktischen Aspekte waren es aber auch einzelne Spieler, die an diesem Sonntag in Kärnten auffielen:

  • Billy Koumetio zeigte seine bisher stärkste Leistung im violetten Trikot und war sowohl am Boden als auch in der Luft herausragend zweikampfstark.
  • Andreas Gruber steht nach vier Pflichtspielen bei zwei Toren und vier Assists. Seine Rückkehr nach zweieinhalb Wochen Verletzungspause ist ein Gewinn für Austrias Offensivspiel.
  • Marco Djuricin könnte nicht nur mit seinem Siegestor, sondern auch mit einer lauf- und kampfstarken Leistung, bei der er keinen Meter zurück scheute, den Grundstein gelegt haben, um wieder bessere Zeiten bei der Austria zu erleben.

“Letzte Saison war ich nie richtig, richtig fit. Das will ich dieses Jahr zeigen. Ich werde langsam schon älter, aber ich glaube, ich habe noch viel drauf. Man muss immer Gas geben und ich will dieses Mal richtig fit werden, also glaube ich, werden es noch mehrere Einsätze von der Bank sein, aber wenn ich immer so ein Tor schießen kann, ist das okay.”Marco Djuricin, Matchwinner in Wolfsberg, nach dem Spiel auf “Sky”

Der Beginn vom violetten Comeback in Wolfsberg: Andreas Gruber mit dem Treffer zum 1:1, nach Assist von Dominik Fitz.
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Der Blick in die Gegenwart

“Wir werden nicht hinfahren und das Spiel abschenken, sondern wir werden alles probieren und uns so teuer wie möglich verkaufen. Vielleicht gelingt uns ein schnelles Tor, aber wir wissen schon, dass das zweite Tor, das unnötig war, ein Nackenschlag für uns war und das Ganze extrem schwierig gemacht hat.”Manfred Schmid nach dem Spiel in Wolfsberg über das Rückspiel in Istanbul auf “Viola TV”

Während in der vergangenen Woche sowohl die Partnerschaft mit Insignia (zur Freude der Austria ohne Nebengeräusche) als auch die Funktionssperre von Jürgen Werner (der nicht Vorstand wird, wie er am Montag bei einem Kamingespräch mit mehreren Journalisten in Mödling sagte) endete, steht in dieser Woche wieder das Sportliche im Vordergrund. Zwei Auswärtsspiele stehen an – am Donnerstag (19 Uhr MEZ, 20 Uhr Ortszeit) in Istanbul, am Sonntag (17 Uhr) in Klagenfurt. Dabei wird die Kampfmannschaft erstmals das neue, weiß-rote Auswärtstrikot tragen.

Das Highlight der Woche steht aber am Freitag, um die Mittagszeit, an. Denn da lost die UEFA die Gruppen ihrer Europa League, sowie der Conference League aus. Gelingt nicht in Istanbul ein kleines Wunder, wird es für die Austria um 14:30 Uhr (öst. Zeit) spannend, wenn ausgerechnet in Istanbul die acht UEFA Conference League Gruppen mit je vier Teams gelost werden. Die Austria würde dabei sehr wahrscheinlich aus Topf 3 (von vier) gelost werden und kann nicht auf ein anderes österreichisches Team treffen.

Zur Vorbereitung auf die Auslosung:

  • Hier kann die Topf-Einteilung der UEFA angesehen werden, sofern sich in den Play-Off-Spielen die Favoriten durchsetzen. Durch Überraschungen könnte es noch zu Änderungen kommen.
  • Mit diesem Tool kann die Auslosung bereits jetzt beliebig oft nach dem Zufallsprinzip simuliert werden.
GEWINNSPIEL:
Kommentiere unterhalb, welche 4er-Gruppe du für die Austria erwartest. Jene Person, die die meisten Gruppengegner richtig errät, gewinnt ein von uns finanziertes 3er-Abo für die Gruppenphase auf einer Tribüne der freien Wahl. Tipps sind bis Freitag, 13 Uhr, möglich. Bei Gleichstand zählt, wer das Team aus Topf 1 richtig hat. Sollte dies ident sein, zählt das Team aus Topf 2. Bei absolut identem, richtigen Tipp wird per Los entschieden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Ablöse in bar nicht möglich.

Gute Besserung, Florian Wustinger! Der 19-Jährige wird erst 2023 wieder am Fußballplatz stehen.

Der Blick nach vorne I: Rückspiel gegen Fenerbahce

Wiedersehen macht Freude. Zumindest sagt man das so. Auf das Duell mit Fenerbahce trifft das wohl sowohl sportlich als auch fantechnisch nur bedingt zu.

Am Donnerstag-Abend steigt in Istanbul das Rückspiel zwischen “Fener” und den Veilchen. Bis zu 50.000 Fans werden dabei im Stadion sein – und somit für nahezu jeden Spieler des FAK-Kaders eine Rekordkulisse bedeuten. Sportlich müsste schon vieles gelingen, um dieses Spiel in Erinnerung zu behalten. Nach dem 0:2 im Hinspiel braucht die Austria zumindest drei Tore, um in die Gruppenphase der UEFA Europa League zu kommen. Ein Verlieren des Play-Offs wäre aber wohl so verkraftbar wie noch selten, schließlich wäre auch dann eine Teilnahme in der UEFA Conference League sicher. Abermals hat Fenerbahce noch am Montag-Abend ein Meisterschaftsspiel bestritten, Adana Demirspor wurde zuhause 4:2 besiegt.

Bei der Austria fehlt Lucas Galvao gesperrt.  Davon abgesehen muss Schmid weiterhin auf El Sheiwi (der in drei Wochen gegen Hartberg zurückkehren könnte), Baltaxa, Raguz, Wustinger und Smrcka verzichten. Auch Muharem Huskovic fällt weiterhin aus und ist nicht in Istanbul mit. Durch die vielen Ausfälle wird Schmid nicht einmal das mögliche Kontingent von 23 Kaderspielern ausschöpfen. Nach unseren Informationen sind 19 Feldspieler und drei Torhüter in die Türkei mitgereist, wovon einer jedoch der gesperrte Lucas Galvao ist, damit er mit Blick auf das Klagenfurt-Spiel kein Mannschaftstraining verpasst. Dies sind alle fitten Kaderspieler außer Manuel Polster.

Wie bereits im Hinspiel, hat die UEFA auch dieses Mal einen ihrer Top-Schiedsrichter mit der Spielleitung beauftragt. Der 38-jährige Spanier Jesus Gil Manzano gehört der Elite-Gruppe der UEFA-Schiedsrichter an. Am vergangenen Wochenende leitete er noch den 4:1-Sieg von Real Madrid bei Celta Vigo. Auch zwei “El Classicos” pfiff er bereits, ein Spiel mit österreichischer Beteiligung bisher noch nie.

Billy Koumetio stand gegen Fenerbahce und den WAC erstmals in der Startelf der Veilchen und überzeugte insbesondere in Kärnten.

Der Blick nach vorne II: Runde 6 gegen Austria Klagenfurt

Ein Gegner, gegen den die Austria in der letzten Saison ungeschlagen blieb, wartet am kommenden Sonntag. In der 28 Black Arena, wie die Wörtherseearena in Klagenfurt neuerdings heißt, wartet die Elf von Peter Pacult, gegen die die Austria in der Vorsaison drei Unentschieden (1:1, 0:0, 1:1) und im Saisonfinish einen wichtigen Sieg (2:1, Goldtor von Dominik Fitz) holte.

Leichter wird es auch diesmal nicht. Nach zwei Niederlagen gegen den LASK und Rapid konnten die Klagenfurter zuletzt gegen die WSG ein 2:0 noch in der Nachspielzeit aufholen (Endstand 2:2) und die SV Ried besiegen. Am vergangenen Wochenende verkaufte man sich in Salzburg teuer und verlor eher unglücklich 2:0. Dass dabei nicht nur einige Chancen vergeben wurden, sondern den Klagenfurtern auch ein Strafstoß (Handspiel von Wöber) vorenthalten wurde, braucht nicht extra erwähnt zu werden, wenn man sich in Erinnerung ruft, welche Erfahrungen die Kärntner bisher mit dem VAR gesammelt haben.

Pacult schickt seine ebenso violette Austria zumeist im 4-2-3-1 aufs Feld. Im Tor wird der gegen Salzburg kurzfristig ausgefallene Philipp Menzel zurückkehren. Neu verpflichtete Stammspieler sind Christoph Wernitznig (Rechtsverteidiger), Andy Irving (zentrales Mittelfeld) und Sinan Karweina (rechter Flügel). Zumeist als Joker kommt noch Stürmer Jonas Arweiler, der so aber bereits zwei Saisontore erzielen konnte.

Bei der Austria kehrt Lucas Galvao zurück. Spannend wird, ob die Veilchen erneut mit einer Fünferkette auflaufen oder wieder zum in der Liga bewährten 4-2-3-1 zurückkehren. Angesichts der Klagenfurter Ausrichtung, mit nur einem Angreifer, scheint eine Viererkette wahrscheinlicher.

Schiedsrichter ist der Niederösterreicher Markus Hameter. Der 42-Jährige gehört mit 153 Bundesliga-Spielen, davon gleich 44 mit der Wiener Austria, zu den erfahrensten Bundesliga-Referees. Unterstützt wird er von Michael Obritzberger (Assistent 1), Fatih Tekeli (Assistent 2), Thomas Fröhlacher (4. Offizieller), Walter Altmann (VAR) und Maximilian Kolbitsch (A-VAR).

Fitz und Fischer jubelnd in Klagenfurt - auch am kommenden Sonntag?

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