Spielberichte

Der violette 360° Blick: Woche #6

Die englischen Wochen sind da! Eine große Belastung für Physis, Psyche und Takitk auf der einen Seite. Das, worauf die Veilchen in der letzten Saison hingearbeitet haben und sie hinwollten, auf der anderen Seite.

Nachdem die Austria in die ersten fünf Wochen der neuen Saison mit dem gewohnten Rhythmus mit einem Spiel pro Woche gestartet ist, wartet ab sofort ein intensiveres Programm. Vom kommenden Donnerstag, 18. August, bis zum letzten Spiel der Herbstsaison, am 12. November, sind es 22 Spiele, die die Austria bestreiten wird (Cup-Aufstieg vorausgesetzt, sonst 21). Eine Pause, ohne englische Woche, gibt es lediglich Ende September in einer Länderspielpause, sowie in der letzten Woche der Herbstsaison im November, wenn die internationale Gruppenphase bereits abgeschlossen ist, aber noch eine Bundesliga-Runde ansteht.

In welchem Bewerb der FAK in die Gruppenphase einziehen wird? Das entscheidet sich in den kommenden Tagen. Der violette 360° Blick: Zurück zur WSG Tirol, nach vorne auf Fenerbahce und den WAC.

Haris Tabakovic erzielte gegen die WSG das 1:0, musste aber nach dem Ausschluss von Galvao hinaus.

Der Blick zurück: 2:1-Sieg gegen die WSG Tirol

Spielverlauf & Daten

Endlich ist er da – der erste Austria-Sieg in der neuen Bundesliga-Saison! Etwas zynisch könnte man sich über einen Fortschritt zur Vorsaison, als dieser erst in der 7. Runde gelang, freuen. Ein hartes Stück war es damals wie heute.

Die Austria ging dank zwei starken Aktionen von Dominik Fitz, wovon eine Haris Tabakovic und eine er selbst verwertet hat, in Führung. Wie schon in Altach, bestand aber auch dieses Mal die Gefahr, diese 2:0-Führung zu verlieren, schließlich spielte die Austria über eine Stunde in Unterzahl, nachdem VAR Altmann Schiedsrichter Kijas konsultierte und auf eine übersehen Torchancenverhinderung von Lucas Galvao hinwies. Zurecht musste der Brasilianer vom Feld.

Es lag in der Natur der Sache, dass die Austria fortan nicht mehr so hoch stehen und pressen konnte, wie eigentlich gewollt und in der ersten halben Stunde auch praktiziert. Der Ball musste überwiegend den Tirolern überlassen werden, die zwar viel Dominanz hatten, im Laufe des Spiels aber zu immer weniger Torchancen kamen. Über die gesamte Spielzeit hatte die Silberberger-Elf dennoch einige Hochkaräter, oft musste sich Früchtl auszeichnen.

Die Austria stand tief, attackierte zumeist erst in der eigenen Hälfte, hielt die WSG aber über weite Strecken gut vom eigenen Tor weg, speziell in der Schlussphase, und erkämpfte sich mit viel Leidenschaft und Kampfgeist drei Punkte. Dass sonst unermüdliche Spieler wie Fischer oder auch Ranftl am Ende mit Krämpfen behandelt werden mussten, ist der beste Arbeitsnachweis dieses Abends.

Die Daten des Spiels bestätigen subjektive Eindrücke:

  • Die Tiroler hatten zwar deutlich mehr Ballbesitz (55% zu 45%), diesen aber selten in gefährlichen Zonen. Innenverteidiger Behounek hatte mit 105 Ballaktionen mehr als doppelt so viele wie einige Austrianer, dahinter folgen mit Schulz und Sulzbacher ebenso Verteidiger der Gäste.
  • Kein Spieler am Feld konnte mehr als einen Torschuss auf das Tor abgeben, insgesamt wurden 13 zu 12 Schüsse abgegeben, davon nur 3 zu 5 auf das Tor.
  • 54% gewonnene Zweikämpfe, 12 abgefangene Bälle, 78% erfolgreichen Tackles und 21 klärende Aktionen sprechen für die Kampfstärke, mit der die Austria verteidigte, wobei Mühl mit sieben klärenden Aktionen und sieben von 12 gewonnen Zweikämpfen herausgestochen ist.
  • Austrias Zentrum – Braunöder und Fischer – präsentierte sich sehr passsicher, mit jeweils über 83% Passquote. Martins hatte in Altach nur 56% Passquote, diesmal aber mit 85% den Bestwert.
  • Manfred Fischer spielte in den letzten drei Runden auf drei verschiedenen Positionen, gab aber in jedem Spiel jeweils die meisten Torschüsse der Austria ab, diesmal vier, zuletzt fünf (in Altach) und sieben (gegen den LASK). In der 69. Minute hätte er jedoch besser auf Huskovic ablegen sollen, die Austria wäre so 3:1 in Führung gegangen.

Hier hätte Fischer in der 69. Minute auf Huskovic aufspielen können und die Austria wäre wohl 3:1 in Führung gegangen.

Personelles & Taktik

Durch die Ausfälle von Holland, Gruber, Teigl, Handl, neben den Langzeitverletzten, und den Umstand, dass Keles und Djuricin zwar wieder fit für einen Einsatz, wohl aber noch nicht für 90 Minuten waren, musste Austria-Coach Schmid etwas improvisieren. Er blieb dabei der 4-2-3-1-Formation treu und überraschte mit einer Personalentscheidung: Wustinger ersetzte zwar Holland am Papier, jedoch war es am Feld Fischer, der die zentrale Position von Holland einnahm, und Wustinger spielte als “Zehner” offensiver, während Fitz auf den linken Flügel rutschte, wo auf der anderen Seite Huskovic auflief. Vier Spieler, die also auf einer Positionen spielten, in der sie in dieser Saison zumindest noch nicht von Beginn aufgelaufen sind, für Wustinger war es überhaupt das Startelf-Debüt nach bisher vier Einwechslungen in der Liga.

Zwei Wechsel vollzog Schmid auch im Matchkader: durch den Holland-Ausfall konnte Billy Koumetio als sechster Legionär wieder auf die Bank, dafür spielte Meisl nach drei Wochen wieder bei den Young Violets (3:2-Niederlage in der Südstadt). Auch am linken Flügel wurde getauscht: Kreiker lief erstmals heuer bei den Young Violets auf, dafür stand Manuel Polster erstmals im Matchkader der Kampfmannschaft.

Wie schon in Salzburg, kam Liverpool-Leihspieler Koumetio auch diesmal zu einem ungeplanten Einsatz. Nach dem Ausschluss von Galvao war es naheliegend, dass die Austria die Viererkette nicht aufgeben möchte. Eine Einwechslung von Koumetio war hierfür die einzige Option, die Herausnahme von Tabakovic naheliegend, weil Huskovic für die in Unterzahl noch laufintensivere Position der Solo-Spitze geeigneter scheint. Matteo Meisl wird sich wohl ärgern, dass er in jenen zwei Spielen auf der Bank saß, in denen kein Innenverteidiger gebraucht wurde, Koumetio dafür in den anderen beiden, wo dies sehr wohl nötig war.

Die Veilchen stellten in Unterzahl auf eine 4-4-1-Formation um, so wie es zu zehnt bei den meisten Teams üblich ist. Die zwei Viererketten geben dabei Kompaktheit und Stabilität, eher undankbar ist die Position des alleinigen Stürmers, der gegen den Spielaufbau der zwei Innenverteidiger zu einem geschickten Anlaufen gezwungen ist. Huskovic hat jedoch eine große Stärke im Sichern von Bällen und ist somit ein guter Zielspieler. Die Veilchen mussten somit tiefer stehen, konnten insbesondere nach der Pause erst in der eigenen Hälfte attackieren, standen dort aber weitgehend kompakt. Wustinger rückte auf den für ihn ungewohnten Flügel, nach gut einer Stunde wurde er dort durch Keles positionsgetreu ersetzt, so wie links Fitz durch Jukic. Im Finish ersetzte Djuricin an vorderster Front Huskovic.

Durchgespielt hat Reinhold Ranftl, auch wenn er zwei Krämpfe innerhalb von wenigen Minuten hatte und später noch die Adduktoren Probleme machten, aber er lehnte die von Schmid angebotene Auswechslung ab und wollte bis zum Schlusspfiff kämpfen, wie auch der ebenso von Krämpfen geplagte Fischer. Für Ranftl hätte Schmid wohl Polster als Linksverteidiger eingewechselt und Martins die Seite wechseln lassen.

“Ich glaube, wir können viele Sachen noch besser machen. Man hat gesehen, wir haben natürlich noch Schwächen, aber in erster Linie freue ich heute mich einmal, dass wir drei Puntke geholt haben und jetzt endlich im Pulsbereich sind. Es war, glaube ich, auch wichtig für das Selbstvertrauen endlich einmal zu punkten und das haben wir geschafft.”Reinhold Ranftl fand nach dem Spiel auf “Viola TV” auch kritische Worte

Violette Auffälligkeiten

Die Veilchen können aus dem Spiel gegen die WSG nicht nur drei Punkte und viel Moral mitnehmen, sondern auch wieder einige Erkenntnisse:

  • Die Austria ist sehr gut und dominant in das Spiel gestartet. Nach 24 Minuten hatten die Veilchen 66% Ballbesitz, was die violette Dominanz untermauert. 54% gewonnene Zweikämpfe in dieser Zeit waren mit ein Grund, warum die WSG erst nach 22 Minuten zu ihrer ersten Chance kam. Nach dem Ausschluss veränderte sich der Ballbesitz naturgemäß.
  • Besonders das Kombinationsspiel klappte weitgehend gut. Das beste Beispiel ist das 1:0 in der 20. Minute: die Veilchen hatten vor dem Tor 27 Sekunden Ballbesitz, jedoch nicht irgendwo, sondern im gegnerischen Drittel, knapp vor dem Strafraum, fast im Handball-Style. Der Ball zirkulierte über 12 Stationen, die alle Feldspieler außer die beiden Innenverteidiger umfassten. Beide Außenbahnen wurden bespielt, der Ball durch die eigenen Reihen und die gesamte Spielfeldbreite zirkuliert, bis Fitz eine Lücke fand, um Tabakovic zu bedienen. Der Prototyp der Austria-Spielidee.
  • Die beiden “Sechser”, Braunöder und Fischer, konnten den Ausfall von Holland weitgehend gut kompensieren. Beide kippten im Spielaufbau oft ab, vor allem in die Position des Außenverteidigers (Braunöder rechts, Fischer links), um so einen 3er-Aufbau mit Mühl und Galvao zu bilden.
  • Jedoch waren sowohl Braunöder als auch Fischer recht hoch positioniert und offensiv denkend – offensiver als beispielsweise Holland oder Martel. Das brachte die Innenverteidiger gegen die zwei Tiroler Stürmer oft in Eins-gegen-Eins-Situationen. Wenn sich die Stürmer dann etwas fallen ließen, waren die Innenverteidiger gezwungen, noch höher zu stehen und herauszurücken. Das wiederum ermöglichte den Tirolern gefährliche Bälle in die Tiefe hinter die Abwehr und schickte Mühl und Galvao in viele Laufduelle. Beispiele hierfür waren Angriffe in den Minuten 11 (sehr hoch stehende “Sechser”, drei Angreifer gegen drei Verteidiger), 14 (Mühl muss im Laufduell mit Prelec klären) und 22 (der “Sechser” Fischer verliert in der gegnerischen Hälfte den Ball, Galvao muss auf den Gegenspieler herausschieben, der Ball kommt in seinen Rücken, wo Mühl in ein Eins-gegen-Eins-Laufduell muss, Früchtl kann mit seinem Arm parieren, wenngleich der Wattener Angreifer aus knapper Abseitsposition gestartet ist). Auch der Angriff, der zur roten Karte führte, war ein Ball in die Tiefe, der Austrias Innenverteidigung ein Eins-gegen-Eins-Laufduell bescherte.
  • Abermals bekam die Austria ein sehr billiges Gegentor aus einer Standardsituation. Prica lief von der Torlinie rund 5m auf die Torraumlinie, wurde so außer Acht gelassen, zumal es bei Einwürfen kein Abseits gibt, das Tor erinnerte an Altach.
  • Erfreulich: Mit 8.575 Fans kamen so viele in die Generali-Arena wie gegen die WSG noch nie. Im August 2021 kamen zum Heimspiel gegen den selben Gegner nur 6.053 Zuseher – so viele Abonnenten hat die Austria inzwischen. 

Can Keles kam gegen die WSG nach zwei Wochen Verletzungspause als Joker. Das Spiel gegen Fenerbahce hat für ihn besondere Brisanz.
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Der Blick in die Gegenwart

“Fenerbahce ist gespickt mit Stars und will nach dem Ausscheiden in der Champions-League-Quali gegen Kiew sicher alles daransetzen, in die Europa League zu kommen. Es hätte sicher ein leichteres Los gegeben, aber wir freuen uns auf die Herausforderung.”Manfred Schmid nach der Auslosung in einem ersten Statement

Die Gegenwart heißt für die Austria – endlich – auch internationalen Fußball. Am Donnerstag eröffnen die Veilchen ihr Spiel auf der europäischen Bühne, das heuer gewiss länger dauern wird als bei den zwei letzten Gastspielen:

  • 2021/22 war nach zwei Spielen gegen Breidablik (1:1, 1:2) in der zweiten Quali-Runde der UEFA Conference League Schluss.
  • Auch 2019/2020 waren es nur zwei internationale Auftritte und die Austria schied in der dritten Quali-Runde der UEFA Europa League gegen Apollon Limassol aus (1:2, 1:3).

Erstmals seit 2017/18 ist die Austria nun wieder in einer Gruppenphase, ungeachtet des Ausgangs gegen Fenerbahce. Damals gab es die UEFA Conference League noch nicht, in der UEFA Europa League traf die Austria auf den AC Milan (1:5, 1:5), AEK Athen (2:2, 0:0) und HNK Rijeka (1:3, 4:1). Fünf Punkte standen am Ende zu Buche.

Nicht nur die Austria-Fans freuen sich auf die internationale Teilnahme, auch die Spieler. Von Austrias 29-Mann-Kader haben bisher nur acht in einer internationalen Gruppenphase oder K.O.-Phase gespielt, vor allem Neuzugänge: Koumetio (ein CL-Spiel für Liverpool), Baltaxa (vier Spiele für Maccabi Tel Aviv), Ranftl (16 Spiele für den LASK), Teigl (sieben Spiele für RB Leipzig), Holland (27 CL/EL/ECL-Spiele für die Austria und den LASK), Gruber (elf Spiele für den LASK), Djuricin (zwei Spiele für RB Salzburg) und Raguz (14 Spiele für den LASK).

Austrias Kader ist international also recht unerfahren, bei den Neuverpflichtungen wurde darauf geachtet, wie obige Daten zeigen. Früchtl ist bei den Bayern zwar oft in der Champions League auf der Bank gesessen, aber hat nie gespielt. Mühl und Martins haben erst ein internationales Spiel (Breidablik, Martins im Hin-, Mühl im Rückspiell). Galvao hat lediglich einige Quali-Spiele für Altach, so wie auch Tabakovic zuletzt 2016. Fur Braunöder und Huskovic wird das Spiel gegen Fenerbahce ihr internationales Debüt im Vereins-Erwachsenenfußball, für Jukic und Keles immerhin schon der dritte Einsatz nach Breidablik. Vor 40.000 Fans, wie beim Rückspiel in Istanbul, spielte aber noch kaum ein Austrianer. In Breidablik vor einem Jahr waren es knapp über 1.000.

Ein besonderes Spiel wartet also am Donnerstag. Und doch ist es angesichts des bescheidenen Ligastarts nicht unwichtiger, was drei Tage später passiert. Am Sonntag (21.8., 17 Uhr) gastiert die Austria beim Wolfsberger AC.

Die Woche bringt aber auch noch zwei wichtige Meilensteine abseits des Spielfelds. Am Montag ist der vorzeitig gekündigte Vertrag mit Insignia geendet, die Partnerschaft somit endgültig beendet. Am Donnerstag endet die Funktionssperre von Jürgen Werner, der ab Freitag auch eine offizielle Funktion beim FAK einnehmen könnte und oft als möglicher zweiter Vorstand, neben Gerhard Krisch, genannt wird.

Verfügbare Tickets für das Europa League Playoff

Danke an unXspoken für das hilfreiche Tool! 

Am Dienstag, 10 Uhr, ist der freie Vorverkauf gestartet. Eine Stunde später war das Spiel ausverkauft.

15000
Stand vom Di, 16. August, 11 Uhr
Am Donnerstag wird die Generali-Arena erstmals seit dem Saisonfinale gegen Sturm wieder voll.

Der Blick nach vorne I: Hinspiel gegen Fenerbahce

Wer den Marktwerten von transfermarkt.at zu viel Bedeutung schenkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren, könnte Karl Lagerfeld einmal gesagt haben. Hat er wohl nicht, aber tatsächlich sind diese Werte mit Vorsicht zu genießen. Sie geben aber zumindest eine Vorahnung, was für ein Duell auf die Austria an den beiden kommenden Donnerstagen (am 18.8. zuhause um 21 Uhr, am 25.8. auswärts um 19 Uhr öst. Zeit) wartet: Die Austria wird mit 23,9 Mio. Euro Marktwert bemessen, Fenerbahce mit 186,7 Mio. Euro.

Der Fußball wäre nicht der Fußball, wären Marktwerte nicht bloß Zahlen, die die Favoitenrollen vergeben, nicht aber den Ausgang in Stein meißeln. Die Austria kämpft um zwei Überraschungen, gewiss als krasser Außenseiter. In der Türkei sind erst zwei Spieltage absolviert, Fenerbahce holte vier Punkte. Dass sie noch am Montag-Abend auswärts spielten (6:0-Auswärtssieg), ist für die Austria gewiss kein Nachteil. Dennoch sind die Türken im Rhythmus, denn vier internationale Auftritte sind ebenso schon absolviert: gegen Dynamo Kiew musste man nach zwei Unentschieden (0:0, 1:1) das Ausscheiden in der Verlängerung (1:2) hinnehmen, gegen den 1. FC Slovacko reichte ein 3:0-Heimsieg, um auswärts den Aufstieg mit einem 1:1-Remis, bei dem viele Spieler geschont wurden, in trockene Tücher zu bringen.

Cem Sekerlioglu und Lorenz Kutscha-Lissberg reisten zum Hinspiel gegen Slovacko nach Istanbul, beim Rückspiel war Manfred Schmid persönlich in Tschechien. Der Cheftrainer sah auch zwei weitere Fenerbahce-Spiele auf Video und resümierte: ein sehr starker Gegner, mit hoher individueller Qualität, sehr robusten Innenverteidigern defensiv und eher kleineren, technisch beschlagenen Spielern offensiv.

Fenerbahce läuft zumeist in einer 4-1-3-2-Formation, das im Mittelfeld einer Raute ähneln kann, auf. Neben der hohen individuellen technischen Qualität sticht das sehr aggressive Pressing heraus. Mit diesem setzt “Fener” seine Gegner früh unter Druck, öffnet zugleich aber große Räume in der eigenen Defensive. Auch dadurch entsteht bei vielen der Eindruck: herausragende Einzelspieler, aber wenig Teamgefüge.

Im 38-Mann-Kader der Türken sind 22 Legionäre und 17 A-Nationalteamspieler von 13 verschiedenen Nationen. Kapitän ist der 24-jährige Tormann Altay Bayindir. In Österreich bekannte Spieler sind beispielswiese Attila Szalai (von 2015 bis 2017 bei Rapid), Bruma (u.a. RB Leipzig und PSV), Enner Valencia (u.a. West Ham und 72 Länderspiele mit 35 Toren für Ecuador) oder Mergim Berisha (34 Tore in 87 Bundesliga-Spielen für RB Salzburg und Altach). Von ihnen gehört jedoch nur Szalai zum Stamm, alle anderen kämpfen offensiv um ein “Leiberl” gegen viele andere herausragende Spieler wie Lincoln, Rossi, King oder Kahcevi.

Auf die Austria wartet also ein harter Brocken – eine technisch sehr starke Mannschaft, die offensiven Fußball spielt und zahlreiche herausragende Fußballer in ihren Reihen hat, zuhause über 40.000 Fans hinter sich wissen kann. Aber auch eine Mannschaft, die als solche noch nicht einhundertprozentig funktioniert und defensiv dem Gegner schon Räume bietet. Es gibt für die Veilchen keine bessere Standortbestimmung.

Ein für Manfred Schmid relevanter Unterschied zur Bundesliga: Er darf nicht nur 18, sondern 23 Spieler nominieren, auf der Ersatzbank nehmen also gleich 12 Spieler Platz. Gewechselt darf trotzdem “nur” fünf Mal werden, aber jeder fitte Kampfmannschaftsspieler wird am Donnerstag im Kader stehen.

James Holland ist für die beiden kommenden Spiele fraglich.

Der Blick nach vorne II: Runde 5 gegen den WAC

In Wolfsberg im Lavanttal werden etwas kleinere Brötchen gebacken als in Istanbul. Viel leichter wird es für die Veilchen aber auch am Sonntag (17 Uhr) nicht. Längst gehört der WAC zu den Top-Teams der Bundesliga und hat sich in den Top 6, sowie im internationalen Geschäft fest verankert.

So ganz rund lief der Saisonstart für Robin Dutt und seine Mannschaft jedoch nicht. In der Liga stehen zwei Punkte nach vier Runden, sodass die Austria im direkten Duell vorbeiziehen könnte, international war das Weiterkommen gegen Gzira aus Malta ein hartes Stück arbeitet. Wie die Austria, spielt auch der WAC am Donnerstag, zuerst auswärts in Norwegen gegen den Molde FK. In der Bundesliga konnten die Kärntner Salzburg zumindest phasenweise Paroli bieten und mussten sich nur 2:1 geschlagen geben.

Die Kärntner erlebten im Sommer einen Umbruch. Es ist Jahr 1 nach Michael Liendl, dessen Nachfolger Konstantin Kerschbaumer heißt, das Spiel auf ihn aber längst nicht so maßgeschneidert ist wie auf den Ex-Austrianer. Dutt nutzte den Liendl-Abgang für eine Systemumstellung. Seit Saisonbeginn laufen die “Wölfe” im 3-4-3 auf. Interessant ist dabei die Defensive: Lochoshvili wechselte nach Italien, Baumgartners Wechselwunsch nach Graz wurde nicht erfüllt. Mit Raphael Schifferl läuft neben ihm einer auf, der selbst in der Vorsaison ein Veilchen war, es hier aber nicht über die Young Violets hinaus schaffte.

Offensiv sind die Namen des WAC gut bekannt: Tai Baribo, Dario Vizinger und Thorsten Röcher sollen für Tore sorgen, die ihnen zum Beispiel Matthäus Taferner auflegt. Einen neuen Namen gibt es in der Offensive: Thierno Ballo bringt viel Tempo mit, konnte sich aber bei Chelsea und Rapid nicht durchsetzen.

Bei den Veilchen fehlt Lucas Galvao gesperrt. Johannes Handl ist nach seiner in Salzburg erlittenen Verletzung fraglich. Auf Galvaos halblinker Position wäre jedoch ohnehin der Linksfuß Billy Koumetio naheliegender. Für ihn wäre es das Startelf-Debüt in Österreich, das durch Galvaos Ausfall auch hinsichtlich des Österreicher-Topfs möglich wäre. Im Spielaufbau hat er gewiss weniger Qualität als Galvao, dafür ist Koumetio ähnlich robust und zweikampfstark, in der Luft wohl noch stärker als der Brasilianer. Gegen die WSG Tirol zeigte Koumetio eine souveräne Leistung, wohl seine bisher beste im Austria-Dress.

The times they are a-changin': Wernitznig (li.) kickt inzwischen in Klagenfurt, Lochoshvili (re.) in Italien. Georg Teigl feierte zuletzt sein Comeback, das er auch den beiden zu verdanken hat.

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