Spielberichte

Vorbericht: Runde 30 – DERBY (H)

Endlich wieder einmal vier Wiener Derbys in einer Saison! Und das vierte und letzte Saisonduell hat es in sich: der Sieger des Spiels geht als Tabellendritter in die letzten zwei Bundesliga-Runden, der Verlierer ist der UEFA Conference League näher als der UEFA Europa League – wenn überhaupt.

Das 336. Wiener Derby am kommenden Sonntag (8. Mai, 17 Uhr, Generali-Arena) hat eine hochspannende und brisante Ausgangslage. “Hoffentlich nicht wieder ein Unentschieden”, denken wohl beide Seiten, nachdem alle drei bisherigen Saisonduelle jeweils 1:1 endeten. Noch so ein Remis würde zwar die Spannung für das Bundesliga-Finale weiter erhöhen, wäre aber diesmal aufgrund der Ausgangslage noch weniger zufriedenstellend als ohnehin immer.

Kaderupdate

Anders als beim letzten Derby, steht diesmal Manfred Schmid in der FAK-Coachingzone. Schon vor dem Spiel wartet auf ihn aber eine große Herausforderung: die Austria braucht ein neues zentrales Mittelfeld, denn Martel ist gesperrt und Braunöder verletzt. Ungeachtet dessen, welche Formation Schmid wählt, wobei die noch ungeschlagene 4-2-3-1-Formation (außer in Salzburg im Laufe des Spiels, ab Minute 30) am wahrscheinlichsten scheint, hat er diese Optionen:

  • “6er”: Vesel Demaku ist der naheliegendste Ersatz für Martel. Mehr Zweikampfstärke, aber kaum Erfahrung auf dieser Position hätten Galvao und Handl. Sehr unwahrscheinlich ist ein Wurf in das kalte Wasser von Wustinger, der seit Februar verletzungsbedingt kein Spiel mehr bestritt, aber wieder fit wäre, sowie Hahn, der schon einmal als “Sechser” in einem Derby überzeugte, zuletzt aber in der Kampfmannschaft keine Rolle mehr spielte.
  • “8er”: Wer Braunöder ersetzt, hängt auch von der “6er”-Position ab, so sind beispielsweise Demaku und Wustinger für beide Rollen Kandidaten. Am wahrscheinlichsten scheint, dass Allrounder Fischer in das Zentrum rückt. Eher unwahrscheinlich ist, dass Grünwald von der “10” auf die “8” zurückkehrt.

Während hinter diesem Zentrum die Viererkette klar erscheint (Martins – der wieder fitte Mühl – Galvao – Suttner; einzig bei Galvao auf der “6” wären Schoissengeyr oder Handl in der Innenverteidigung), gibt es auch in der Offensive mehrere Optionen:

  • Dominik Fitz zeigte zuletzt mit starken Joker-Einsätzen auf und duelliert sich wohl mit Grünwald um das Startelf-Leiberl im offensiven Mittelfeld.
  • Im Angriff begannen zuletzt zwei Mal Vucic und ein Mal Ohio. Austrias Top-Torschütze ist aber weiterhin Djuricin, der zuletzt nur auf der Bank gesessen ist.
  • Fischer wird – wie bisher in jedem Spiel, in dem er fit war – beginnen. Seine Position ist aber offen und spielt wohl auch eine Rolle für die Startelf-Chancen auf dem Flügel von Keles. Recht wahrscheinlich wird dort Jukic aufzufinden sein.

Jedenfalls kein Thema sind die weiterhin verletzten Teigl, Huskovic, Antovski, El Moukhantir, Bejic und El Sheiwi.

So jubelte Marco Djuricin im letzten Derby. Steht er diesmal überhaupt in der Startelf?

Ausgangslage

“Fest steht: So ein Derby gab es schon lange nicht mehr! Beide Teams sind gut drauf, das Stadion wird voll sein, der Sieger liegt in der Tabelle vor dem Erzrivalen. Also alles angerichtet für ein langweiliges Unentschieden, wie zuletzt in so vielen Derbys?”

Dieses Zitat stammt aus unserem Vorbericht zum letzten Derby am 20. März in Hütteldorf. Tatsächlich war es ein Unentschieden, das am Ende herausschaute, viele spannende Vorzeichen gelten aber auch diesmal wieder: ein volles Stadion, der Sieger liegt vor dem Erzrivalen in der Tabelle, diesmal gar nur zwei Runden vor Schluss im direkten Duell um die internationalen Startplätze.

Die Ausgangslage für die Austria ist somit leicht zusammenzufassen: bei einem Sieg wären die Veilchen Dritter und auf Kurs Richtung UEFA Europa League, bei einem Unentschieden wäre weiterhin alles offen (zumal Rapid noch auf Salzburg trifft), bei einer Niederlage wäre wohl Platz 3 außer Reichweite, aber Platz 4 weiterhin greifbar, zumal die Verfolger WAC (in Salzburg) und Klagenfurt (gegen Sturm) schwere Aufgaben vor sich haben.

Am Sonntag haben wir die Möglichkeit vorbeizuziehen. Auf der anderen Seite haben die Grünen die Möglichkeit, einen kleinen Respektabstand herstellen, was eine kleine Vorentscheidung wäre. Es ist unfassbar viel Brisanz drin bei sicherlich vollem Haus, das Wetter ist fein und gute Stimmung. Fußballfan, was willst du mehr?
Manuel Ortlechner auf “Sky” voller Vorfreude und Motivation

Startelf-Kandidaten: Noah Ohio und Dominik Fitz.

Rahmenbedingungen

Über 13.000 Karten sind verkauft – und das ausschließlich im geschützten Verkauf für violette Abonnenten und Mitglieder. Dass somit bereits Tage vor dem Spiel die Besucherzahl des letzten Heim-Derbys (11.035 am 29.8.2021) weit übertroffen wurde, spricht für die Entwicklung der Austria.

Jene, die zu den letztlich rund 13.500 Besucher:innen gehören werden, werden mit rund 20 Grad Celsius und unbeständigem Wetter, womöglich auch Regenschauern, empfangen.

Für mediale Aufregung (u.a. KURIER) sorgte bereits vorab die Schiedsrichter-Besetzung: Christopher Jäger wird erstmals das Wiener Derby leiten. Der 37-jährige Salzburger pfeift zum 89. Mal in der Bundesliga. Die Austria konnte zwar 16 ihrer 26 Spiele unter Jägers Spielleitung gewinnen, sammelte aber mit harten Ausschlüssen gegen Martel (am 23.1.2021 in Ried bei Martels Debüt) und Fitz (am 5.12.2020 gegen Sturm) auch weniger gute Erfahrungen. Ihm assistieren Roland Riedel (Südtribüne), Santino Schreiner (Nordtribüne) und Markus Hameter (4. Offizieller). Vor den Bildschirmen sitzen VAR Manuel Schüttengruber und sein Assistent Julian Weinberger.

Analyse: Rapid Wien

So neu Ferdinand Feldhofer als Rapid-Trainer womöglich noch wirkt, ist es dennoch bereits sein drittes Wiener Derby. Dabei ist seine Handschrift längst erkennbar und Rapid tritt intensiv, agressiv und pressingorientiert auf wie nur selten in den letzten Jahren. Dennoch gelingt dies keineswegs konstant und auf Lichtblicke folgen enttäuschende Leistungen, so auch in der letzten Bundesliga-Runde gegen Austria Klagenfurt.

Feldhofer vertraut meist auf eine 4-4-2-Formation mit einer Raute im Mittelfeld. Seine zwei größten Sorgen beziehen sich aber nicht auf die Raute:

  • Im Tor ist der zuletzt starke Niklas Hedl gesperrt. Feldhofer ist noch unentschlossen zwischen Bernhard Ungar, der erstmals in der Startelf stehen würde, und Paul Gartler, der dort verletzungsbedingt bereits seit Wochen nicht mehr stand. Jedenfalls trifft die Austria im Derby auf einen Torhüter ohne Spielpraxis.
  • An vorderster Front muss Rapid auf Ferdy Druijf, zuletzt Doppel-Torschütze gegen Klagenfurt, verzichten. Einen identen Spielertypen hat Rapid nicht im Kader, sodass Feldhofer zu Kreativität gezwungen wird.

In den letzten fünf Runden holte Rapid nur einen Sieg (2:1 gegen den WAC) – die Austria jedoch gar keinen einzigen, zuletzt vor sieben Runden beim Auftakt der Meistergruppe gegen den WAC (ebenso 2:1 gegen den WAC). 

Ich freue mich, dass ich dieses Mal dabei sein kann. Das letzte Derby habe ich leider wegen Corona versäumt. In diesem Spiel geht es nicht nur um die Anerkennung und den Respekt in Wien, sondern es geht um den dritten Platz. Es ist alles offen. Rapid hat mehr Druck als wir. Für sie wäre es normal, den dritten Platz zu erreichen. Für uns wäre es ganz einfach etwas Großartiges nach diesem Saisonstart und mit den großen Problemen rund um den Verein.
Manfred Schmid, der beim letzten Derby in Quarantäne war, auf “Sky”

Die weiteren Spiele der Runde

Nicht nur in der Meistergruppe ist es spannend: bereits am Samstag findet in Linz (Kühbauers LASK gegen Hartberg), Maria Enzersdorf (Admira gegen WSG) und Altach (gegen Ried) gleichzeitig der Kampf gegen den Abstieg und um das internationale Play-Off statt.

Um das internationale Geschäft geht es auch am Sonntag: Salzburg und Sturm sind dort schon fix, am Wochenende duellieren sie sich mit dem WAC (in Salzburg) und Austria Klagenfurt (gegen Sturm), die dorthin noch wollen und dementsprechend wohl auch mit Spannung auf das Wiener Derby blicken werden.

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