Adieu Haris! Quo vadis Offensive?

Rückblick

Knapp 13 Monate spielte Haris Tabakovic mit seiner Rückennummer 25 bei der Austria und es war eine Tal- und Bergfahrt der Gefühle. Als Torschützenkönig aus Lustenau kommend, wurde er ablösefrei verpflichtet und sollte die Probleme der Austria beim Toreschießen lösen. 

Die stattliche Körpergröße von 1,94m gibt ihm viele Optionen im Angriff, führte aber auch schnell dazu, dass er in Wien als technisch unbeholfener, langsamer Spieler abgetan wurde. Anfangs setzte man gegen eher gegen schwächere Teams auf Tabakovic und Huskovic war eigentlicher Stammspieler, doch nach einiger Eingewöhnungszeit bekam Haris immer mehr Minuten und erzielte seine ersten drei Treffer im August: 1x Altach, 1x Wattens und 1x gegen Siegendorf im Cup. 

Danach war es schlagartig vorbei. Ab September übernahm wieder Huskovic seine Position, die selbst nach dessen schwerem Autounfall inkl. gerissenem Kreuzband Tabakovic nicht mehr zurückerobern sollte. Dovedan, Teigl und Fitz wurden als Mittelstürmer ausprobiert, konnten aber kaum überzeugen. Sein nächstes Saisontor nach dem August sollte Tabakovic erst im Februar, dann unter einem neuen Trainer, erzielen. 

Doch dann kam der Frühling – und was für ein Frühling da kam. Gleich beim Frühlingsauftakt stellte sich Haris mit einem Doppelpack gegen Klagenfurt erneut bei den Veilchen vor. Insgesamt 16 Bundesligatore sollten es am Ende im Frühling werden und beinahe hätte er sich sogar noch die Torschützenkrone aufsetzen können, belegte nach Burgstallers starkem Finish jedoch “nur” Platz 2. Tababovics 102 Minuten pro Bundesligator sind absolte Spitzenklasse, denn kein anderer Spieler mit mehr als 10 Saisonspielen konnte diesen Wert übertreffen. 

Auch in der laufenden Saison errettete Haris die Austria und schoss das Siegtor gegen Banja Luka in der Nachspielzeit mit dem Knie. Sein letztes Spiel in violett sollte jenes am vergangenen Sonntag gegen Sturm Graz werden, welches leider ohne Tor von Tabakovic mit 0:3 verloren ging. 

Fazit

Der Verlust von Tabakovic mitten im Saisonauftakt und drei Tage vor dem wichtigen Rückspiel in Banja Luka ist ohne Frage schmerzhaft. Dennoch musste ein Wechsel nach so einem Frühjahr erwartet werden und die aufkommenden Gerüchte um eine Ausstiegsklausel ließen viele schon im Mai fest an einen  baldigen Abschied glauben. 

Dass er nun doch noch drei Saisonspiele für die Austria absolvierte, durfte als positive Überraschung gesehen werden. Es ist daher zu erwarten, dass in der Vorbereitung bereits ein Wechsel antizipiert wurde und das Spiel nicht ausschließlich auf Haris ausgelegt wurde. Zu wahrscheinlich war ein Wechsel, um dieses Risiko einzugehen. 

Am Ende hat die Austria für vergleichsweise wenig Geld für ein Jahr einen Top-Torjäger erhalten und das Saisonziel der Europacup-Qualifikation gerettet. Knapp über eine Million Euro sind vielleicht keine Summe die uns finanziell sanieren wird können, aber es ist sind trotzdem dringend benötigte Einnahmen. 

Zum Vergleich kostete der fünf Jahre ältere Guido Burgstaller dem Stadtrivalen eine halbe Million Euro an Ablöse und wohl auch ein stattliches Gehalt. Während Burgstaller kommende Saison vertragslos ist und ggf. sogar in den Ruhestand geht, konnte die Austria mit Tabakovic sogar Geld verdienen. Für drei Saisontore weniger, stieg die Austria wohl um rund 2 Millionen Euro günstiger aus. Die Rechnung kann sich durchaus sehen lassen! 

Wie geht es weiter und wer sind die Alternativen?

Mit dem Verkauf von Haris sind die finanziellen Löcher wohl noch nicht vollständig gestopft. Es kann daher von zwei Dingen ausgegangen werden: 

  1. Falls wir überhaupt Ersatz holen, wird dieser nicht viel kosten und daher kein  klarer 1:1-Ersatz sein
  2. Es ist mit dem Abgang weiterer Leistungsträger jederzeit zu rechnen, weswegen wir unser Pulver für Ersatzleute gut einteilen müssen

Was sind also die Optionen im Kader oder am Transfermarkt? 

Huskovic und Gruber

Die naheliegendste Variante ist, Tabakovic durch jene Stürmer zu ersetzen, die bereits im Kader sind. Jedoch will man offenbar Huskovic sehr behutsam heranführen und keine erneuten Verletzungen wie bei El Sheiwi oder Wustinger riskieren. Ob Muki aktuell für mehr als 30 oder 45 Minuten geplant sein könnte, ist fraglich. Gruber fühlt sich am rechten Flügel am wohlsten, kann aber auch sehr gut die hängende Spitze spielen, war zuletzt aber nicht in der Startelf gesetzt. 

Ich halte diese Kombination dennoch für das wahrscheinlichste Szenario, jedoch nicht im 3-4-3 mit Gruber und Fitz als Flügel, sondern mit Muki und Gruber als Stürmer und Fitz dahinter als Spielmacher. 

Wir müssten/würden in dieser Variante von heute auf morgen von einem Flügel/Flanken-basierten Spiel auf flache Kombinationen durch die Mitte umstellen, wobei wir das in Anbetracht der Wechselwahrscheinlichkeit von Haris hoffentlich ohnehin in der Hinterhand haben. 

Vucic und Hosiner

Weniger wahrscheinlich dürfte der Einsatz der ähnlichsten Stürmertypen im Kader sein. Romeo Vucic spielte zwar eine gute Vorbereitung, schaffte es aber nur gegen Banja Luka in den (größeren) Spieltagskader. Hosiner ist am Weg in die Fußball-Pension und spielt grundsätzlich für die Young Violets in der Regionalliga Ost. Einsätze eines der beiden sind zwar nicht ausgeschlossen (Hosiner) oder durchaus wahrscheinlich geworden (Vucic), jedoch würde ich beide Spieler aktuell nicht in der Startelf erwarten. 

Fitz, Polster, Fischer und Kani

Grundsätzlich haben wir noch vier weitere Spieler im aktuellen Spieltagskader, welche die Rolle als Mittelstürmer oder hängende Spitze übernehmen könnten. Grundsätzlich hoffe bzw. erwarte, dass keiner der vier Spieler nominelle Sturmspitze wird, sondern dass ihnen allenfalls nach Wechseln diese Rolle zeitweise zufällt – also wenn z.B. Huskovic und Gruber ausgewechselt werden müssen.

Die Unterschiedlichkeit dieser Spieler könnte dabei ein Asset sein, da wir im Angriff nur schwer auszurechnen wären. Polster würde mit hohem Tempo im Konter seine Karten ausspielen, während sich Fischer durch Einsatz und Kaltschnäuzigkeit auszeichnet. Fitz wäre die Edeltechniker-Varianten und Kani eine etwas schwächere aber dafür wuchtigere Variante. Wir werden sehen, aber ich finde den Gedanken nicht so schlecht, wenn wir nach Auswechslung der nominellen Stürmer zwar positionsfremde Spieler bringen würden, die sich aber mit sehr spezifischen Assets auszeichnen. 

Neuzugang / Saeter

Ohne hier spekulieren zu wollen, sei erwähnt, dass mit Ole Christian Saeter ein konkreter Neuzugang bereits durch den Blätterwald geraschelt ist. Eigentlich für den Winter (dann ablösefrei) gedacht, könnte es nun mal wieder “schnell gehen”, wobei unklar ist, ob die Austria willens und in der Lage wäre eine aktuell fällige Ablöse zu bestreiten. Der 27-jährige Norweger wäre mit seinen 1,93m und seiner wuchtigen Spielweise wohl der naheliegendste Ersatz für Haris der sich finden lassen könnte. Man darf gespannt sein! 

Danke für deinen Einsatz und deine vielen Tore Haris! Auch ein großes Dankeschön, dass du uns im Winter nicht aufgegeben hast. Mögest du im Herzen immer ein violetter bleiben! 

Ähnliche Artikel

Antworten

  1. Vielen Dank für den super Artikel.
    Leider gibt es einen Typo 😉
    Tababovics 102 Minuten pro Bundesligator sind absolte Spitzenklasse, denn kein anderer Spieler mit mehr als 10 Saisonspielen konnte diesen Wert übertreffen.

Previous Next
Close
Test Caption
Test Description goes like this