Spielberichte

Vorbericht: Runde 32 – STU (H)

Es gab in der 111-jährigen Geschichte des FK Austria Wien schon unwichtigere Spiele als dieses. Umgekehrt gab es für den fixen Vizemeister Sturm Graz schon wichtigere Spiele.

Was für die Grazer eher ein Auslaufen zum Ende der (sehr erfolgreichen) Saison wird, ist für die Veilchen ein Entscheidungsspiel. Am Samstag (21. Mai, 17 Uhr, Generali-Arena) entscheidet sich für die Wiener Austria: Wird es Platz 4 und damit eine erfolgreiche Saison? Oder wird es gar Platz 3 und damit eine sehr, sehr erfolgreiche Saison?

Trotz der Wichtigkeit des Spiels würde ein negativer Ausgang des Spiels die Stimmung in der (fast) vollen Generali-Arena wohl kaum trüben, denn schon jetzt steht fest: die Austria absolvierte eine Saison weit über den Erwartungen, spielt 2022/23 international und an diesem Abend feiern zwei Austria-Legenden ihren Abschied von der großen Fußballbühne.

Also alles angerichtet für einen violetten Feiertag?

Kaderupdate

Die wichtigste Nachricht zuerst: Markus Suttner und Alexander Grünwald sind topfit und werden am Samstag auflaufen können! Das ist insofern die wichtigste Nachricht als dass es für beide das letzte Mal ist, im Trikot der violetten Kampfmannschaft aufzulaufen. Für Suttner ist dies das 318. Mal, für Grünwald gar das 330. Mal. An diesem Abend verabschieden sich 581 Bundesliga-Spiele Erfahrung und – inkl. internationalem Geschäft und Austria Amateure – 749 (!) Spiele im Profifußball für den FK Austria Wien.

Davon abgesehen spricht wenig für große Veränderungen in der Startelf von Manfred Schmid. Die Defensive ist derzeit ohnehin in Stein gemeißelt, in der Offensive scheinen neben Grünwald auch Jukic und Fischer gesetzt, auch wenn Keles und Fitz zuletzt als Joker regelmäßig aufgezeigt haben. An vorderster Front stehen die Chancen gut, dass erneut Noah Ohio stürmen wird, auch wenn Marco Djuricin von seiner Gehirnerschütterung wieder erholt ist.

Verletzungsbedingt nur auf der Tribüne erleben das Saisonende weiterhin Huskovic, Teigl, El Sheiwi, Bejic, Antovski und El Moukhantir. Die beiden Erstgenannten werden zu Beginn der Sommervorbereitungen wieder fit in das Mannschaftstraining einsteigen können (Huskovic erst nach der U19-EM, für die er mit Ivkic und Wustinger nominiert wurde), bei El Sheiwi wird dies noch länger dauern.

Markus Suttner. Fußballgott.

Ausgangslage

Der 32. Spieltag der Bundesliga ist zugleich der letzte. Das freut wohl vor allem jene Fans, die der Mathematik nicht so gut gesonnen sind, denn für die Ausgangslage braucht es nicht die ganz hohe Mathematik:

  • Gewinnt die Austria, ist sie fix Dritter.
  • Verliert die Austria, ist sie fix Vierter.
  • Einen Tick komplizierter wird es nur bei einem Unentschieden: dann ist Violett den Dritter, wenn das Parallelspiel WAC-Rapid ebenso Remis endet. Wenn es in Wolfsberg einen Sieger gibt, bedeutet ein Unentschieden in Wien-Favoriten Platz 4.

Ob die Veilchen Dritter oder Vierter werden, hat faktisch mehr Bedeutung als in einigen der letzten Jahre. Der Dritte spielt im Play-Off der UEFA Europa League, hat dort aufgrund des neuen Setzungssystems der UEFA zudem einen machbaren Gegner, und ist auch im Falle einer Niederlage fix in einer Gruppenphase, nämlich in jener der UEFA Conference League. Der Vierte muss, um eben dorthin zu kommen, erst zwei Quali-Runden überstehen, in denen die Austria jeweils ungesetzt wäre und auf große Namen treffen könnte.

In anderen Worten: als Dritter spielt die Austria fix bis Dezember international; als Vierter spielt die Austria wohl nur im August international. Das wiederum hat auch großen Einfluss auf die Finanzen des Vereins, denen nicht budgetierte UEFA-Euros gut stehen würden.

“Bitte bleibt nach dem Schlusspfiff auf den Tribünen, damit wir uns von allen ordentlich verabschieden können. Das ist unser Wunsch für unseren letzten Tanz!”
Markus Suttner und Alexander Grünwald vor ihrem Abschied aus der Fußballwelt

Vesel Demaku trifft am Samstag auf seinen künftigen Arbeitgeber. Diesen Assist werden wir von ihm in Erinnerung behalten!

Rahmenbedingungen

Die Generali-Arena wird einmal mehr sehr gut gefüllt sein. Am Tag vor dem Spiel waren lediglich nur mehr rund 700 Karten verfügbar. Gut möglich, dass Stadionsprecher Wolfgang Slavik sich am Sonntag bei einem ausverkauften Haus bedanken können wird.

Das Wetter ist keine Ausrede. Auch können all jene, die sich sorgen, ob denn gespielt werden kann, beruhigt werden: 29°C und Sonnenschein, mit einzelnen Wolken, sind die Prognose für bestes Fußballwetter.

Einer der erfahrensten Schiedsrichter Österreichs wird am Sonntag in Favoriten amtieren: Markus Hameter greift zum 152. Mal in der Bundesliga zur Pfeife. Mit der Wiener Austria ist es für den Niederösterreicher bereits das 43. Mal – keinen Verein pfiff Hameter öfter als die Veilchen, wobei die Bilanz unter ihm mit 20 Siegen und 13 Niederlagen positiv ist. Bereits zum 9. Mal pfeift er ein Duell zwischen der Austria und Sturm (4 S, 3 U, 2 N). Assistieren werden ihm Michael Obritzberger (Südtribüne), Alexander Borucki (Nordtribüne), Julian Weinberger (4. Offizieller), Alan Kijas (VAR) und Sebastian Gruber (A-VAR).

Analyse: Sturm Graz

Der Vizemeister gastiert in Wien-Favoriten! Und diesen “Titel” trägt Sturm Graz nicht ganz zu Unrecht inne, denn die Blackies spielten eine starke Saison und haben nach Salzburg die meisten Siege (um sechs mehr als die Austria) und die meisten erzielten Tore (um 20! mehr als die Austria).

Sind die Grazer also nicht nur zufällig, sondern verdient 11 Punkte vor dem FAK und um so viel stärker? Wohl entspricht der Abstand in der Tabelle nicht dem tatsächlichen Leistungsunterschied, zumindest legten das die direkten Duelle (2:2, 2:1, 0:1) so nahe, aber Sturm gelang häufig, was der Austria nicht gelang: “Schnittspiele” an der Kippe knapp für sich zu entscheiden. So kommt es, dass die Austria zwar um sechs Spiele weniger gewonnen hat als Sturm, aber nur um eines mehr verloren. Gewinnt am Samstag die Austria, hat man in der Saison gleich viele Niederlagen, aber dennoch acht Punkte Unterschied, weil Sturm Spiele gegen Gegner knapp gewonnen hat, gegen die die Austria Unentschieden spielte – beispielsweise Rapid.

Ex-Veilchen Christian Ilzer ist es gelungen, in Graz eine starke Mannschaft zu formen, die einen intensiven, flotten, schwer zu verteidigenden Fußball spielt. Aber gelingt ihnen das auch noch jetzt, im letzten Saisonspiel, in dem der Vizemeister längst in trockenen Tüchern ist? Nach 6 Siegen aus den letzten 7 Spielen (u.a. gegen Salzburg, die Austria und Rapid), musste in der Vorwoche gegen den WAC eine herbe 1:4-Schlappe eingesteckt werden. Ein Zeichen, dass die Luft draußen ist, nachdem das Ziel erreicht wurde? Oder umso mehr eine große Motivation für Samstag in Wien?

Außer dem verletzten Innenverteidiger Geyrhofer kann Ilzer auf alle Spieler zählen, um diese Fragen zu beantworten. Für u.a. Jäger, Huspek und Kuen wäre es das letzte Spiel im Sturm-Trikot, sie verlassen die Grazer unmittelbar danach.

“Die Enttäuschung ist extrem groß. Fantastische Stimmung, volles Stadion und wir können unsere Fans nicht belohnen. Das hätten sie sich mehr als verdient für den unglaublichen Support, den wir über die gesamte Saison bekommen haben.”
Sturm-Trainer Ilzer nach der 1:4-Niederlage gegen den WAC vor einer Woche

Die weiteren Spiele der Runde

Abstiegskampf pur am Freitag: Altach kämpft zuhause gegen die WSG Tirol um den Klassenerhalt, die Admira zittert um diesen beim LASK in Pasching und die SV Ried gastiert in Hartberg, wo beide noch nicht durch sind. Spannung pur!

Am Samstag treffen zeitgleich mit der Austria der WAC und Rapid aufeinander. Der Sieger des Spiels spielt fix international, der Verlierer muss in ein Play-Off gegen den Siebten oder Achten der Liga.

Nicht in die Geschichtsbücher eingehen wird voraussichtlich das Aufeinandertreffen vom definitiven Meister Red Bull Salzburg und dem definitiven Sechsten Austria Klagenfurt.

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