Spielberichte

Vorbericht: Runde 27 – RBS (H)

Red Bull Salzburg und der Ostersonntag – da war doch was. Wohl ist es weniger das 1:1-Unentschieden, mit dem sich die Wiener Austria und die Bullen am Ostersonntag 2013 trennten, das da in Erinnerung kommt, auch wenn damals der junge Lukas Rotpuller an seinem 22. Geburtstag überraschend in der Startelf stand und zum Shootingstar des Spiels wurde. Jahr für Jahr erinnern Medien viel eher an den 7:0-Auswärtssieg eines anderen Wiener Vereins in Salzburg am Ostersonntag 2008.

Sieben Tore sind am Ostersonntag 2022 wohl nicht zu erwarten, denn in der Generali-Arena (17.4.2022, 14:30 Uhr) treffen zum einen die beiden Teams mit den wenigsten Niederlagen und zum anderen die beiden Teams mit den wenigsten Gegentoren in der Liga aufeinander. Die Austria hat in dieser Saison noch kein Spiel mit mehr als einem Tor Unterschied verloren, die Salzburger überhaupt erst ein einziges, nämlich das Gastspiel in Klagenfurt im Herbst (2:1). Zudem haben die Bullen in dieser Saison in 24 von 26 Bundesliga-Spielen mindestens ein Tor erzielt (einzig bei zwei Nullnummern gegen die Admira und den LASK nicht), die Austria zumindest im Großteil, vor der 1:0-Niederlage in Graz traf man seit Mitte November (0:0 in Klagenfurt) in jedem Spiel.

Der Serienmeister besiegte die Austria in dieser Saison zwei Mal knapp mit 1:0, die Veilchen wehrten sich zuvor lange und kauften den Mozartstädtern die Schneid ab. So auch diesmal?

Kaderupdate

Dass Manfred Schmid in Graz von der ungeschlagenen 4-2-3-1-Formation abrückte und auf ein 5-3-2 setzte, war durchaus überraschend, aber nicht erfolgreich. Dennoch ist mit der selben Formation auch am Ostersonntag wieder zu rechnen. Eine stabile Defensive, die das Zentrum verdichtet und gegen schnelle Umschaltmomente gerüstet ist, ist schließlich das Fundament gegen Red Bull Salzburg und war auch bereits die Taktik, die die Austria in den beiden ersten Saisonduellen wählte.

Für Marvin Martins und „Muki“ Huskovic wäre dies durchaus prädestiniert, Letzterer fällt weiterhin aus, Martins kehrt wieder zurück und wird wohl statt Ivkic beginnen. Wieder zurück ist auch Johannes Handl, der im Aufbauspiel stärker wäre als Schoissengeyr, der aber in Graz einen guten Job erledigte.

Der vierte (Corona-bedingte) Ausfall gegen Sturm Graz betraf einen, der künftig noch oft genug in der Murstadt auflaufen wird, nämlich Vesel Demaku. Er könnte gegen Salzburg ebenfalls in den Matchkader zurückkehren, hingegen sammeln Kreiker und Pecar bei den Young Violets Spielpraxis, auch der wieder fitte Wustinger ist dort in den nächsten Wochen mehr zu erwarten als bei der Kampfmannschaft. Teigl und El Sheiwi fehlen wie bisher.

Lucas Galvão stand die letzten sechs Spiele in Folge in der Startelf - als einziger neben Suttner, Braunöder und Pentz.

Ausgangslage

Mit zwei Siegen kann Red Bull Salzburg im Doppel-Duell mit den Veilchen (das „Rückspiel“ in der Mozartstadt folgt eine Woche später) bereits den nächsten Meistertitel der jungen Vereinsgeschichte fixieren, unter Umständen de facto gar schon im ersten Aufeinandertreffen, wenn Sturm Graz im Parallelspiel verlieren sollte.

Die Austria ist gut beraten, auf sich selbst zu schauen – und wird sich dabei vor dem Spiel auf Platz 4 wiederfinden. Dort bleibt man auch im Falle einer Niederlage, unabhängig vom Ausgang des Kärntner Derbys zwischen dem WAC (drei Punkte Rückstand, aber das direkte Duell geht an die Austria) und Klagenfurt (fünf Punkte Rückstand). Nicht nur die beiden Teams hinter der Austria, sondern auch jene vor den Veilchen treffen im direkten Duell aufeinander: Sturm liegt bereits sechs Punkte voran, Rapid nur einen und könnte mit einer Überraschung gegen Salzburg auch wieder überholt werden.

Zur Ausgangslage gehört auch eine unangenehme Seite: die medialen Vorberichte auf Austrias Heimspiel werden davon dominiert, dass es erneut die zweite Instanz benötigt, um eine Lizenz für die kommende Bundesliga-Spielzeit zu bekommen. Sportlich könnte das in der Mannschaft sowohl eine „Jetzt erst recht“-Stimmung, aber auch Ernüchterung oder Verunsicherung bedeuten.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich kein Spieler innerhalb der Liga verändern muss, um den Sprung in eine Top fünf Liga zu schaffen. Wir möchten weiterhin nur Spieler bei uns haben, die zu hundert Prozent davon überzeugt sind, dass wir am richtigen Weg sind.Manuel Ortlechner, Sportdirektor, nach dem Sturm-Transfer von Vesel Demaku

Rahmenbedingungen

Ein frühlingshafter Ostersonntag mit Sonnenschein, erwarteten 13 Grad Celsius und reichlich violettem Rahmenprogramm rund um die Generali-Arena sorgt für beste Bedingungen, um ein Fußballfest zu feiern. Dafür fehlt nur mehr ein Heimsieg, der womöglich dadurch erleichtert werden würde, wenn sich der Rasen der Generali-Arena besser präsentieren würde als in den letzten Wochen.

Jedenfalls wird das Stadion am Horrplatz einmal mehr bestens gefüllt sein, sodass man sich abermals Hoffnung auf eine fünfstellige Zuseherzahl machen darf.

Schiedsrichter des Spiels ist Christian-Petru Ciochirca. Der 32-jährige Steirer wird zum 49. Mal ein Bundesliga-Spiel leiten, zum 10. Mal eines der Austria. Erst ein einziges Mal hat die Austria unter seiner Spielleitung verloren (im Oktober 2019 2:3 gegen die WSG Tirol), seit 2020 war er nicht mehr in der Generali-Arena, auswärts zuletzt beim 1:1-Remis in Innsbruck (31.10.2021). Ihm assistieren Robert Steinacher (Südtribüne), Martin Höfler (Nordtribüne), Harald Lechner (vierter Offizieller), Rene Eisner (VAR) und Markus Gutschi (A-VAR). 

Analyse: Red Bull Salzburg

26 Bundesliga-Spiele – 21 Siege, 4 Remis, 1 Niederlage. Dabei 63 Tore erzielt und nur 15 erhalten, im Schnitt stehen also pro Spiel 2,42 erzielte 0,57 erhaltenen Treffern gegenüber. In der letzten Bundesliga-Runde wurde Austria Klagenfurt, eine Woche zuvor 1:1 in der Generali-Arena, mit 6:0 vom Platz geschossen.

Womöglich benötigt es gar nicht viel mehr als diese Zahlen, um zu verstehen, dass die Austria am Sonntag auf die stärkste Mannschaft der heimischen Liga trifft. Sowohl in der Startelf als auch auf der Bank, selbst auf der Tribüne, verfügen die Mozartstädter über Spieler, die für jeden Verein in Österreich eine große Verstärkung wären, und die in jedem Bundesliga-Spiel auch einen Salzburger Kantersieg realistisch erscheinen lassen.

Angesichts der Salzburger Kaderbreite ist es auch nur eine Randnotiz, dass mit Brenden Aaronson, Sekou Koita oder Antoine Bernede Leistungsträger verletzt sind. Eine Mannschaft, in der Karim Adeyemi zuletzt nur auf der Bank war, kann das verkraften. Apropos Adeyemi: Bei beiden 1:0-Siegen gegen die Austria in dieser Saison erzielte er jeweils den Goldtreffer. Dementsprechend viel Augenmerk wird am Sonntag ihm gelten, wie wohl auch Zlatko Junuzovic, der zum letzten Mal in seiner Karriere in einem Salzburg-Trikot in die Generali-Arena kommen wird. Ob es generell sein letztes Spiel in Wien-Favoriten wird, entscheiden die kommenden Wochen am Transfermarkt.

 ‘Zladdi, bevor du in Österreich irgendwo anders hingehst, ich habe den Schlüssel zum Austria-Stadion.’
Manuel Ortlechner, auch Platzwart, laut eigener Aussage zu Zlatko Junuzovic

Die weiteren Spiele der Runde

Nicht nur im oberen Play-Off ist es spannend. Im Abstiegskampf spitzt sich die Lage quasi zwischen allen sechs Teams zu. Am Samstag möchte Ried gegen Tirol dafür sorgen, endgültig mehr auf Platz 7 als auf das Tabellenende schauen zu können. Selbiges hat der LASK mit einem Sieg in Altach vor. Zeitgleich empfangen die unter Neo-Trainer Schmidt noch torlosen Hartberger die im Play-Off noch ungeschlagene Admira.

Unter den Top 6 treffen jene Teams, die die Austria verfolgen, ebenso direkt aufeinander (WAC vs. Austria Klagenfurt, diese Woche in Wolfsberg, nächste Woche in Klagenfurt) wie die beiden Teams, die die Austria gerne noch überholen würde (Sturm vs. Rapid, diese Woche in Graz, nächste Woche in Wien).

Für Spannung ist gesorgt, an diesem 27. Spieltag der Bundesliga, die dann noch fünf Runden vor sich hat.

Die Generali-Arena wird am Sonntag abermals gut gefüllt sein, so wie hier beim letzten Heimspiel gegen RBS.

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