Spielberichte

Nachbericht: Runde 30 – DERBY (H)

Es sollte heuer einfach nicht sein. Nach einer erneut guten Leistung und einem klaren Chancenplus für die Veilchen endet auch das vierte Derby der Saison nach Toren von Zimmermann (37.) und Ohio (81.) mit einem 1:1 unentschieden. Die Entscheidung um Platz 3 wird daher erneut vertagt und die Meistergruppe bleibt spannend. Die Partie hatte dennoch einige Aufreger und Überraschungen zu bieten, welche das zahlreiche violette Publikum im fast ausverkauften Stadion alle Gefühlsebenen durchlaufen ließen. 

Sportlich ging es um nicht weniger als die Nummer 1 von Wien zu sein, wirtschaftlich standen für den etwaigen Sieger einige Millionen Euro durch die dann sehr wahrscheinliche Vorentscheidung bezüglich der Qualifikation für eine europäische Gruppenphase auf dem Spiel. Dazu beschäftigten diverse Personalsorgen beide Teams bis kurz vor dem Anpfiff. Trotz all dieser taktischen und sportlichen Herausforderungen entwickelte sich ein würdiges Derby, welches jedoch erneut leider erneut ohne Sieger endete. Die Austria hat somit nun seit 13. März nicht mehr gewonnen, ist sieben Spiele ohne Sieg und dennoch kann man eine gewisse Zuversicht haben, doch noch Platz 3 zu holen. 

Ein nahezu volles Haus sorgte für eine tolle Kulisse.

Ich glaube bedanken müssen wir uns beim lieben Gott. Es hat am Anfang wirklich nicht gut ausgeschaut in Wolfsberg, aber es ist zum glück gut verheilt und nicht mehr passiert. […] Ich war noch nie so viel da wie in der letzten Woche und ich glaube es hat sich ausgezahlt. Matthias Braunöder auf Viola TV über seine Wunderheilung
und die Extra-Einheiten mit den Physiotherapeuten

Was waren die Erkenntnisse des Spiels?

Martins sorgte erneut für viel Betrieb auf der rechten Seite und machte auch seine defensiven Hausaufgaben.

Wir haben in der ersten Halbzeit nicht diese Agressivität und dieses Pressing ins Spiel bekommen haben, das wir uns vorgenommen haben. […] Der Ausschluss hat uns geholfen ein Übergewicht zu kriegen und ich glaube vom Chancenplus hätten wir uns dann den Sieg verdient.

Markus Suttner auf Sky zur Leistung

Die große Frage vor dem Spiel war, wie Trainer Schmid den Ausfall des gelbgesperrten Martel kompensieren wird und ob Braunöder nach seiner Knöchelverletzung gegen den WAC spielen wird können. Letzterer konnte zum Glück doch noch spielen (und wie!), während sich Schmid für Demaku als defensiver Anker im Mittelfeld entschied. Im Sturm fiel die Wahl auf Djuricin und am Flügel erhielten Jukic und Fischer den Vorzug vor Keles. Gespielt wurde im erprobten 4-2-3-1, welches nun in drei von vier Derbys zum Einsatz kam. 

Beide Teams starteten entsprechend dem was auf dem Spiel stand ohne viel Risiko, konzentrierten sich auf ihre Stärken und vermieden taktische sowie spielerische Risiken. Nach den ersten 10 Minuten weitgehender spielerischer Leere auf beiden Seiten, gab es auch gleich den ersten Aufreger: Nach Traumpass über 50 Meter von Jukic beging Djuricin (wahrscheinlich) ein Foulspiel an Hofmann, der bei der Ballklärung unglücklich agierte. Der anschließend völlig alleine auf Gartler zulaufende Djuricin wurde von diesem im Strafraum ohne Chance auf den Ball weggeräumt, bevor er völlig frei einnetzen hätte können. Die Szene endete mit Foulpfiff an Hofmann und einem benommenen Djuricin, der zwar noch 26 Minuten spielen sollte, sich jedoch mittlerweile aufgrund einer Gehirnerschütterung an nichts mehr erinnern kann. 

Djuricin war nach dieser Aktion angeschlagen und kann sich nicht mehr erinnern (wegen Foul zuvor kein Torraub).
Ohio verfehlte leider seine Großchance nachdem Gartler bereits geschlagen war.

Was folgte waren schwache 15 Minuten beider Teams. Braunöder sowie Martins hatten viele Balleroberungen zu verzeichnen, Offensivmöglichkeiten wurden jedoch durch teilweise stümperhafte Fehlpässe vergeben und die Innenverteidigung spielte trocken ihren Stiefel runter. Man hatte das Gefühl die Austria könnte, ist aber nicht konzentriert genug, während von Grün-Weiß überhaupt keine Ideen zu sehen waren, wie man in diesem Spiel etwas erreichen möchte. 

Danach gab es die eine oder andere Halbchance der Veilchen, die jedoch nicht konsequent zu Ende gespielt wurden. Immer wieder kam man gut mit schnellen Kombinationen durch das gegnerische Mittelfeld und ließ die taktischen Fouls der Gegner ins Leere laufen, bis vor dem Strafraum die Ideen ausgingen oder die Passqualität nachließ. Am Ende dieser Phase, als Rapid massig Ballbesitz hatte, aber keine Ideen und die Austria sehr zielstrebig, aber schlampig agierte, wurde der Wechsel von Ohio für Djuricin vollzogen. Wie schon gegen den WAC in der Vorwoche, trat auch diesmal unmittelbar nach einem Wechsel der Worst-Case ein: Pentz wirft auf den im Mittelfeld auf freistehenden Demaku, der verschätzt sich jedoch bei der Ballannahme. Daraufhin nimmt ihm der aus 10 Metern anlaufende und diesmal als Sechser aufgebotene Aiwu den Ball ab, zieht schnell in Richtung Strafraum und nach einer schnellen Kombination von Arase trifft Zimmermann (37.), der sich anschließend einen verhöhnenden Jubel nicht verkneifen kann und dafür die gelbe Karte sieht. Ein Tor aus dem Nichts, denn Rapid hatte zwar meist den Ball, aber gefährlich wurden sie davor überhaupt nicht. Die enttäuschende erste Halbzeit ging dann recht ereignislos zu Ende. 

Wir machen einen schweren Fehlen im zentralen Mittelfeld und geraten durch nichts 0:1 in Rückstand. In der zweiten Hälfte haben wir umgestellt und nach dem Ausschluss von Rapid war es gefühlt ein Powerplay, […] aber es ist uns leider nicht gelungen [zu siegen].Manfred Schmid auf Viola TV zum Spiel

Suttner bejubelt seinen Assist zum Ausgleich in seinem letzten Derby.
Auch Jukic feierte enthusiastisch vor der Ost.

Bei der Austria war zur Pause Keles für Demaku gekommen, womit Fischer in das defensive Zentrum einrückte und Jukic von rechts auf den linken Flügel wechselte. Die zweite Halbzeit sollte starten wie die erste geendet hatte, mit recht ereignislosem Spiel. Dies lag auch daran, dass die Gäste immer weniger riskierten und der Austria die Räume für schnelle Gegenstöße beschränkten. Hier kam es zum zweiten Aufreger: Eine gefährliche Hereingabe von Keles wurde in der 56. Minute von Moormann mit der neben dem Körper platzierten Hand auf den eigenen Tormann gelenkt. Für den Schiedsrichter war dies kein strafbares Handspiel und der VAR wollte die Szene nicht evaluieren. 

Bereits zwei Minuten später (58.) kam es zum dritten Aufreger, als Zimmermann nach eigenem Ballverlust den konternden Braunöder niedergrätscht, dafür die verdiente zweite gelbe Karte sieht und vom Platz verwiesen wird. Der Ausschluss brachte der Austria eine Art zweite Luft und neues Selbstvertrauen. Es folgten rollende Angriffe und zahlreiche Torchancen, wobei Ohio in Minute 64 die beste vergab. Später sollte noch Martins die Latte treffen (trotz ungestraftem Trikotziehen im Strafraum) und Gartler zahlreiche Schüsse entschärfen müssen. Die Gäste kamen aus der Verteidigung quasi überhaupt nicht mehr heraus. Hatten sie zuvor im Spiel schon kaum spielerische Elemente gezeigt, durch den vielen Ballbesitz aber eine gewisse Sicherheit erlangt, war dieser Vorteil nun dahin. Die Austria kontrollierte Ball und Gegner, konnte aber die Abschlussschwäche und die Fehleranfälligkeit beim letzten Pass nicht abstellen. Der Ballbesitz sollte sich von ca. 40:60 in der ersten Halbzeit noch auf 60:40 insgesamt drehen, was vor Augen führt, dass die Hütteldorfer in der zweiten Halbzeit im Grunde komplett abgemeldet waren. 

Von den 33 Flanken fanden jedoch nur 21% einen Mitspieler, wie auch die insgesamt 6 Eckbälle sehr harmlos waren. Hier fehlt eindeutig eine verbesserte Strafraumpräsenz, da sonst die Spielanlage mit Durchbrüchen am Flügel zu zahnlos ist. Dennoch konnte, endlich, in der 81. Minute das ersehnte Ausgleichstor durch Ohio erzielt werden. Suttner spielte einen sehenswerten Doppelpass mit Jukic und bediente von der Torlinie aus den lauernden Ohio. Dieser schob unter ekstatischem Jubel vor der Osttribüne trocken zum Ausgleich ein. Weitere der insgesamt 18 Schussversuche (wobei dies ohnehin schon wenige sind in Anbetracht des Übergewichts am Feld – siehe fehlende Strafraumpräsenz) fanden leider nicht mehr den Weg ins Tor und so blieb es beim letztlich völlig unverdienten Unentschieden. 

Zwei Spieler muss man am gestrigen Tag hervorheben: 

Suttner setzte mit 82 Ballaktionen (Top-Wert) ein Ausrufezeichen in seinem letzten Derby, insbesondere der ebenfalls Top-Wert von 44 Pässen in der gegnerischen Hälfte, ist für einen Außenverteidiger beinahe unglaublich. 

Auch Martins war erneut kaum zu stoppen und hatte 81 Ballaktionen (quasi ex-aequo mit Suttner), 3 Torschüsse (Top-Wert) und 46 Pässe (89% davon erfolgreich – Top-Wert neben Fischer!). Dass Martins auch mit Abstand am öftesten (4x) gefoult wurde, zeigt dass Moormann und Grüll mit ihm alle Hände voll zu tun hatten. 

Dass es trotz derartiger Topwerte erneut nur für ein X gereicht hat, ist eine Mischung aus eigenem Unvermögen und Pech. Hoffentlich haben wir in den beiden noch offenen Runden mehr Glück im Abschluss und eine klügere Präsenz im Strafraum, denn wir müssen wieder anfangen Spiele zu gewinnen und zwar gleich. 

Die Enttäuschung war groß und der Sieg nah, aber man kann zuversichtlich für das Saisonfinale sein.

Er hat mir ganz klar signalisiert, dass er spielen kann und dass er spielen will. Er hat auch keine Schmerzmittel verwendet. Ich bin sehr sehr stolz auf diesen Jungen, wie er auftritt, wie er sich präsentiert. Ich dachte eigentlich schon, dass diese Generation von Spielern ausgestorben ist, aber er ist wirklich ein Top-Spieler und ich habe riesige Freude mit ihm. Wenn man die Leistung heute sieht, kann man wirklich nur gratulieren. Nach eineinhalb Trainingseinheiten mit der Mannschaft muss man sagen, das ist schon aller Ehren wert! 

Manfred Schmid bei Viola TV über das Saisonfinish

Was sind die Folgen des Spiels?

Nach dem Unentschieden verbleibt die Austria unverändert auf Platz 4 in der Tabelle mit 23 Punkten, nun einen Punkt vor dem WAC (gewonnenes direktes Duell), welche in Salzburg 0:4 verloren haben und mit unverändertem Abstand auf Platz 3 (25 Punkte). Der Vorsprung auf Klagenfurt (Platz 6, 20 Punkte) konnte ausgebaut werden, da diese gegen Graz 1:2 unterlegen sind. 

Zwei Spiele vor dem Ende hat die Austria also weiterhin gute Chancen auf Platz 3. Das weitere Restprogramm bringt auswärts Austria Klagenfurt und in der letzten Runde Sturm Graz. Aus diesen Spielen müssen wohl zumindest vier, besser 6 Punkte her, wenn man sich noch vor den Stadtrivalen schieben möchte. Deren Restprogramm ist mit Salzburg (H) und WAC (A) durchaus anspruchsvoll. 

Bereits kommende Runde steht erneut also alles auf dem Spiel. Klagenfurt hat gegen uns die letzte Chance noch Punkte einzufahren, um beim Rennen um das internationale Geschäft mitzureden und trifft danach in der letzten Runde auf Salzburg. Sie werden daher alles versuchen, um den dringend benötigten Sieg einzufahren, den auch die Veilchen brauchen, wenn man noch um Platz 3 im Rennen bleiben will. 

In den Parallelspielen sollten Veilchen auf Favoritensiege der beiden Mannschaften für die es um nichts mehr geht hoffen: Salzburg (in Hütteldorf) und Sturm (in Graz gegen den WAC), denn auch die Wolfsberger haben noch Chancen um Platz 3 mitzureden, treffen sie doch in der letzten Runde auf die Hütteldorfer.

Die gelbe Karte von Braunöder bleibt ohne Konsequenzen, während Djuricin aufgrund einer Gehirnerschütterung in der 36. Minute ausgewechselt werden musste. Über die erwartete Dauer der Verletzung liegen noch keine Informationen vor. 

Von den Wechselspielern zeigte Keles die auffälligste Leistung und war phasenweise Dreh- und Angelpunkt der Offensivbemühungen. Ohio krönte seine Einwechslung mit dem wichtigen Tor, während er leider eine zweite Topchance vergeben hatte. Auch Fitz rechtfertigte seine Einwechslung erneut mit einer guten Leistung, konnte jedoch erneut nichts zählbares auf die Anzeigetafel bringen. 

Fitz brachte erneut viel Schwung von der Bank und agierte auf engstem Raum.

Wir haben zwei Spiele und haben eine gute Ausgangsposition. Wir müssen auf uns schauen, müssen unsere Spiele gewinnen, dann haben wir eine große Chance, dass wir unser Ziel noch erreichen. Aber es gibt in dieser Meistergruppe keine Mannschaft wo man sagt, da fährt man hin und gewinnt ganz einfach. 

Manfred Schmid über die ausstehenden Spiele auf Viola TV

Wie haben die Veilchen das Spiel erlebt?

Begeistert von der Stimmung gab es 4,8 Punkte für den Support.

Das war überragend, wow! Das beste das ich je erlebt habe hier und ich hoffe das ist in zwei Spielen wieder so.Noah Ohio auf Viola TV gibt dem Support ebenfalls eine Top-Note

Das Spiel der Austria wurde im Verteilerkreis-Spieltagsvoting mit einer guten Wertung von 3,8 Punkten bewertet. Das Schiedsrichterteam wurde mit 2,5 Punkten diesmal als fairer beurteilt. Man of the Match wurde extrem souverän Braunöder (68%), mit Respektabstand gefolgt von Keles (12%) und Suttner (10%). Das Heimspiel wurde von 64% der Verteilerkreis-User im Stadion verfolgt, während 32% vor dem TV die Daumen drückten. Der Support erhielt die selbst für ein Derby mehr als würdige astronomische Durchschnittswertung von 4,8 und auch der Einlass (4,8) sowie die Gastro (ca. 4) hielten dem enormen Zuschauerdruck in der weitgehend ausverkauften Generali Arena stand. Sky erzielte mit durchschnittlichen 3,3 für den Kommentator eine gute Note, die Bewertung von 2,2 für die Halbzeitanalyse erneut schwach ausfiel.

Sportliche Leistung:

0

Schiedsrichter:

0

Man of the Match: Braunöder

0 %

Wo habt ihr das Spiel verfolgt?

  • Stadion 64%
  • TV zu Hause oder bei Freunden 32%
  • Wirtshaus/Pub/Wettbüro 2%
  • Ticker / ASB 0%
  • Gar nicht / Highlights 2%

Support der Fans:

0

Einlass ins Stadion:

0

Speisen & Getränke:

0

Service/Geschwindigkeit:

0

Kommentator:

0

Halbzeitanalyse:

0
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2 Kommentare

  1. Hi, wie gewohnt sehr guter Bericht. Ich denke aber, dass es Aiwu war und nicht Arase oder?
    “Daraufhin nimmt ihm der aus 10 Metern anlaufende und bis dahin gewohnt farblos agierende Arase den Ball ab,”
    liebe Grüße
    Rene

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