Rück- und Ausblicke

Interview: Ziad El Sheiwi

Liebe Veilchen, wir haben es schon lange versprochen und jetzt in der spielfreien Zeit haben wir die Ressourcen gefunden, endlich zu starten: Wir führen Interviews durch! Den Start wollten wir unbedingt mit Ziad El Sheiwi machen, da er vergangene Saison einen kometenhaften Aufstieg hinlege und ebenso plötzlich von einer schweren Verletzung zurückgeworfen wurde. Er ist Erzveilchen und seit seinem Wechsel von TWL mit 7 Jahren trotz seiner erst 18 Jahre bereits über ein Jahrzehnt bei der Austria. 

Wir bedanken und herzlich bei Ziad für seine kostbare Zeit und auch bei der Geschäftsstelle für die tolle Organisation! Leider dauerte das Interview nur 15 statt 30 Minuten, da der Trainingsplan kurzfristig umgestellt wurde und dies natürlich Vorrang hat. 

Der erste Zweikampf nach der Einwechslung gegen Liefering, natürlich gewonnen!

Servus Ziad! Danke, dass du dir Zeit nimmst, um den Lesern von Verteilerkreis ein paar Einblicke zu ermöglichen. Hattest du eigentlich schon viele Interviews? Gleich vorweg, für mich ist es mein erstes!

Nein, es ist mein zweites Interview, nach einem als ich noch in der Akademie war.

Dann steigen wir mal ein mit den Fragen. Wie war der Urlaub?

Ja ich hatte kurz Urlaub, circa fünf Tage. Nachdem die Meisterschaft geendet hat, habe ich noch eine Woche trainiert und habe dann fünf Tage frei bekommen. Ich war dann mit der Familie in Barcelona.  Danach hatte ich eine Woche Heimprogramm und die Woche darauf war ich schon wieder da. Zudem hatte ich noch die Schule am Laufen und habe dort erst im Juli frei.

Wie geht es dir grundsätzlich und wie geht die Heilung voran?

Bis jetzt top und alles läuft nach Plan. Es ist schon sechs Monate her und ich habe meinen Muskel wieder bekommen. Ich bin auch schon mit dem Ball unterwegs, kann ein bisschen passen und schneller laufen. Bis jetzt habe ich Glück gehabt und es läuft wie es sein sollte.

Gegen die Admira ging es in der KM nahtlos weiter mit druckvollem Spiel über die linke Seite.
Leider wurde nicht der Treffer zum 2:1 draus und das Spiel endete schließlich 2:2.

Wie war das damals bei den Violets, als sich Antovski verletzt hatte und es plötzlich hieß: „Ziad, rein mit dir!“ und dann auch noch gegen Liefering.

Ich habe mein Debüt schon früher gefeiert, aber es war mein erstes Spiel wo ich mehr Minuten gesammelt habe. Da war ich schon sehr nervös muss ich sagen, denn es ging schon sehr schnell als Antovski sagte, dass es nicht weitergeht. Ich habe nur kurz aufgewärmt und stand auf einmal am Feld. Nach einiger Zeit, eigentlich ab der zweiten Halbzeit, habe ich mich frei gefühlt und habe den Kopf abgeschaltet.

Ich finde man hat gemerkt, dass du da etwas beweisen willst und du hast sehr motiviert am Platz gewirkt. Ich habe mich nur gefragt, wie lange bzw. ob du das durchhalten wirst. Aber du hast es durchgezogen!

Das sollte das Ziel von jedem Spieler sein. Ich war davor immer im Kader, habe aber nie gespielt, auch im Jahr davor.

Wie und wann wurde dir gesagt, dass du in der Kampfmannschaft spielen wirst, weil sich Markus Suttner verletzt hat?

Die Geschichte ist schon lustig gewesen! Ich saß in der Schule im Englischunterricht und bekomme einen Anruf von Cem [Sekerlioglu]. Ich dachte „was geht jetzt ab?!“, konnte aber nicht rangehen. Also habe ich die Lehrerin gefragt, ob ich auf’s Klo gehen kann. Am Weg habe ich Cem angerufen und er meinte ich wäre jetzt von der Schule freigestellt und soll gleich zur Kampfmannschaft kommen, weil mich der Trainer kennenlernen will. Ich habe ihm geantwortet, „okay passt, ich bin unterwegs“, habe meine Schulsachen gepackt und zur Lehrerin gesagt, dass ich jetzt freigestellt bin, weil ich Training habe.

Also war das ein paar Tage vor dem Spiel?

Ja, es war an einem Mittwoch, direkt nach dem Lehrgang vom Nationalteam, also völlig unerwartet eigentlich. Ich hätte es mir gar nicht vorstellen können. Ich bin dann zum Trainer gekommen und er [Schmid] meinte der Suttner sei verletzt und entweder ich oder Antovski würden am Samstag spielen. „Wir schauen uns das noch an.“

Dann war Donnerstag Training, mein erstes Training mit der Kampfmannschaft. Ich habe normal mittrainiert, halt ein bisschen gechillter, weil ich davor den Lehrgang hatte und auch noch ein Spiel am Dienstag. Also habe ich am Donnerstag noch mit wenig Belastung trainiert und am Freitag hat man mir schon gesagt, dass ich am Samstag spielen werde, in der Startaufstellung!

Auch gegen Kristensen setzte sich Ziad durch.
So viel Platz gegen RBS muss man sich erarbeiten.

Wie ging es dann weiter? Du hast dann von einem Tag auf den anderen die Trainingsgruppe gewechselt und warst nur noch bei der Kampfmannschaft oder hast du auch noch mit den Violets Einheiten gehabt?

Nein, ab diesem Zeitpunkt war ich nur noch bei der Kampfmannschaft. Alles war komplett anders diesbezüglich.

Wie war das mit den dann plötzlich ehemaligen Mannschaftskollegen, wenn man die Violets quasi überspringt. Du warst dann jüngster Spieler der Kampfmannschaft. Stößt man da auf Neid oder wird einem ständig gratuliert? Du wurdest ja plötzlich aus dem ganzen Umfeld gerissen.

Ich denke es wird immer Neid geben, wenn du oben spielst, weil alle bei den Violets wollen oben spielen und wenn man das nach ein paar Spielen erreicht, dann denken sich wahrscheinlich viele, wie denn das geht. Aber es haben mir alle gratuliert und sich mit mir gefreut. Ich habe die Young Violets aber nie vernachlässigt und war immer bei den Heimspielen zuschauen. Der Kontakt ist immer dageblieben und ich verstehe mich mit allen gut.

Gibt es Unterschiede vom Spielerischen bei den Anforderungen an einen linken Verteidiger?

Es sind eher die kleinen Dinge. Man muss schneller spielen und den ersten Kontakt verbessern. Das sind die wichtigen Unterschiede, nicht das Taktische. Das lernt man schon in der Akademie und setzt sich bei der Zweiten fort. Es sind die kleinen Dinge.

Aber spielen die Außenverteidiger bei Schmid nicht deutlich offensiver als bei den Violets?

Ja, das stimmt auch, aber ich bin ein Spieler mit Offensivdrang. Schmid hat mir gesagt, dass ich Freiheiten nach vorne habe und mitgehen kann.

Wenn Markus Suttner vergangene Saison mit dir am Platz war, dann hattest du meist den offensiveren Part inne und Suttner ist in die  Innenverteidigung gerückt. Siehst du dich rein als offensiven Außenverteidiger oder kannst du dir auch eine Rolle als Flügel vorstellen? Mit Baltaxa wurde ja kürzlich ein linker Verteidiger verpflichtet der auch Innenverteidiger spielen kann.

Ich bin schon seit zwei, drei Jahren Linksverteidiger und fühle mich dabei extrem wohl, weil ich defensiv und offensiv etwas für die Mannschaft tun kann.

Immer schnell und vertikal,...
... bis zum letzten Pass am 16er.

Wie läuft dein Alltag als Schüler, Spieler, Sportler und Jugendlicher der bei den Eltern lebt? Was für einen Schlafrhythmus hast du und wie sorgst du zu Hause für die richtige Ernährung?

Ich versuche täglich sieben bis acht Stunden zu schlafen, aber die Schule ist eine Herausforderung. Oft muss ich in der Nacht noch Hausarbeiten erledigen. Nach dem Training kommt man am Abend erschöpft nach Hause, ruht sich ein bisschen aus und dann beginnt die Arbeit für die Schule. Aber ich versuche immer sieben bis acht Stunden zu schlafen und fit zu sein für das Training. Da ich in der Nähe wohne, stehe ich immer um acht Uhr auf, was gut ist, denn dann kann ich in Ruhe frühstücken. Um 9:15 Uhr ist Treffpunkt im Stadion.

Zum Thema Ernährung weiß meine Mutter, dass die Ernährung gesund sein soll. Da sie arabischer Herkunft ist, macht sie arabisches Essen, aber sie macht für mich noch zusätzliche Dinge. Arabisches Essen ist sehr fettig und mit viel Fleisch. Das will ich selbst nicht wirklich, weil dann fühle ich mich schlecht und es dauert lange zu verdauen. Also muss meine Mutter manchmal doppelt kochen oder ich mache mir was Eigenes. Wenn Doppeltraining ist, haben wir das Mittagessen im Stadion und das ist wirklich top. Wir essen nicht im Pub sondern haben einen eigenen Raum dafür.

Wie siehst du die Gehälter im Fußball? Du hast, seit du zur Kampfmannschaft gekommen bist, plötzlich Teamkollegen die viel mehr als du oder normale Arbeitnehmer in diesem Alter verdienen. Ist das etwas das dich reizt, wo du hinarbeitest?

Natürlich will man Geld verdienen, das ist ja etwas Schönes, aber trotzdem stehen Spaß und Erfolg im Vordergrund. Man will einfach ein guter Fußballer sein und das Geld ist eigentlich nebensächlich.

Was würdest du als Knackpunkt beschreiben wann du Profifußballer wurdest und was würdest du jungen Spielern in der Akademie raten? Wann merken sie, dass sie einmal Profi werden?

Das kommt mit der Zeit. Mit zehn oder elf Jahren hast du einfach Spaß am Kicken und denkst dir nichts dabei. Dann kommst du in die Akademie und hast an jedem Tag Training, viele Spiele und Videoanalyse. Dann kommst du in die U16, U18 und es wird immer mehr verlangt. Es gibt immer mehr Druck und dann merkst du irgendwann, ob dir das noch Spaß macht und du es weiterführen willst oder du denkst dir, dass das nichts für dich ist. Ab da merkst du, ob dein Ziel ist Profi zu werden, wenn es trotzdem leiwand ist Fußball zu spielen. Ich kann jungen Spielern nur raten dran zu bleiben, Ehrgeiz zu haben und jeden Tag so zu trainieren, als wäre es dein letztes Training, weil manche nehmen das wohl auf die leichte Schulter.

Schlussfrage: Wann schätzt du sehen wir dich wieder am Spielfeld?

Das ist schwierig zu beantworten, weil das stark davon abhängt wie es mir weiterhin geht und ob der Physio mit mir zufrieden ist. Wenn es mir gut geht und der Physio sagt es geht, dann hoffentlich in zwei bis drei Monaten – wenn alles passt.

Nach dem Interview ging (oder besser lief) Ziad, sofort zum Individualtraining.
Wo die Reise hingeht ist noch ungewiss, aber der Blick zurück auf eine Saison mit vielen Höhen und einem einzigen, leider gravierenden, Rückschlag sollte jedenfalls positiv sein.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
Previous Next
Close
Test Caption
Test Description goes like this