Rück- und Ausblicke

Interview: Manfred Fischer

Danke an unseren Partner SIGASIGA, der dieses Interview sponsored!

Liebe Veilchen, nach unseren Interviews mit Ziad El Sheiwi und Dominik Fitz, haben wir diesmal ein Interview mit Manfred Fischer für euch! Wir bedanken uns herzlich bei Manfred Fischer, der sich in der bereits intensiven Frühphase der Saison Zeit genommen hat, um den Fans Einblicke in sein Fußballerleben zu ermöglichen. 

Das Interview ist powered by SIGASIGA, unserem Werbepartner und Hersteller des Forza Viola Energy Drinks. Auch hier ein großes Dankeschön, denn ohne unsere Partner wäre ein Betrieb von Verteilerkreis.at nicht möglich. 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen! 

Fischer wie er am liebsten spielt, vor vollen Rängen.

Du bist nicht nur Dauerbrenner sondern auch Allrounder im Team der Austria. In deinen über 3.000 Einsatzminuten (nach Pentz der Top-Wert aller Veilchen) hast du letzte Saison auch eine Vielzahl an Positionen bekleidet und wurdest im Mittelfeld links, rechts, offensiv, defensiv und zentral eingesetzt sowie auch als hängende Spitze. Wo siehst du dich selbst ideal eingesetzt?

Wenn man die Statistik anschaut, dann war ich dort, wo ich am Schluss gespielt habe, an den meisten Toren beteiligt, also links vorne im Mittelfeld bzw. Sturm. Sonst sehe ich mich eher auf der Zehn oder der Acht am stärksten.

Bei einem Team wie der Austria, das technisch hochwertig spielen möchte und auch entsprechende Spieler ausbildet bzw. verpflichtet, würde man dich wohl eher zur Gruppe der Kämpfer als zu den Edeltechnikern im Kader zählen. Wie war das in Altach?

Auch in Altach habe ich mich zu einer Rolle wie ich sie hier ausfülle entwickelt. Ich komme über die Mentalität und schaue, dass ich in erster Linie alles gebe und abrufe was in mir drinsteckt. Dann kommt alles andere von allein. Ich bin keiner der 50 Minuten herumsteht und wartet, dass ein Ball kommt und der dann eine Zauberaktion abliefert, das bin ich nicht. In Altach war meine Rolle ähnlich wie jetzt, also die eines Führungsspielers, der über die Mentalität kommt.

Du hast in deiner Karriere erst sieben Spiele verletzungsbedingt versäumt, trotz vieler Saisonen mit über 2.000 Einsatzminuten. Was ist dein Geheimnis?

Bitte verschreien wir es nicht, denn ich rede nicht gerne über Verletzungen. Das passiert so schnell und oft kann man einfach nichts machen. Bislang bin ich gut in meiner Karriere durchgekommen, aber ich mache auch etwas dafür. Ich mache bei jedem Training eine Vor- und Nachbereitung, schaue dass ich der Muskulatur Zeit zu regenerieren gebe und dass diese Regenerationsphasen gut abgestimmt sind. Ich achte auch darauf, dass die Ernährung gut passt, damit ich mir selbst nichts vorwerfen kann, falls ich einmal eine Verletzung habe. Ich hatte erst einmal eine Muskelverletzung in meiner Karriere und das war kurz vor dem Urlaub, da habe ich nur ein Spiel versäumt. Insgesamt bin ich schon sehr froh, dass das bis jetzt so gut verlaufen ist.

Fischer ist überall auf dem Platz zu finden und sehr variabel einsetzbar.

Wie viel von deiner Fitness ist individuelles Training bzw. Ehrgeiz und wie viel kommt vom Mannschaftstraining?

Das ist im Detail schwer zu sagen, aber ich komme auf 4-5 zusätzliche Einheiten zu je 30-45 Minuten pro Woche, die ich zusätzlich zum Training mache.

Wie läuft die Trainingssteuerung für diese zusätzlichen Einheiten?

Ich trainiere selbst, aber das ist alles mit dem Verein abgesprochen. Wenn ich mal müde bin, dann muss ich das Zusatztraining zurückschrauben.

Das wird mit dem Europacup, den du bisher in deiner Karriere ja noch nicht in dieser intensiven Form hattest, zusätzliche Koordinierung erfordern, oder?

Durch die zusätzlichen Spiele muss man das Training anpassen und kann daher nicht so viel zusätzlich trainieren. Deswegen baut man sich jetzt bis dahin eine gute Fitness auf, damit man dann gut über die Zeit drüber kommt und die Luft gut passt. Dann genügt es zu spielen und zu regenerieren, während das Training eher hintangestellt wird, da man ja ohnehin jeden dritten Tag spielt.

Was gönnt sich ein Vorzeigeprofi wie du an Lastern oder Ausnahmen – abgesehen von diversen Getränken nach dem Saisonende gegen Sturm bzw. danach auf Mallorca.

Ja, mit dem Blödsinn bin ich jetzt eh schon abgestempelt ein bisserl.

Damit bist du höchstens als Legende abgestempelt, aber sonst nichts.

Lacht. Ja, wenn ich Lust auf eine Süßigkeit habe, dann nehme ich das schon zu mir. Genau als ich mich damals verletzt habe, hatte ich versucht meine Ernährung umzustellen und habe gänzlich auf Zucker, Gluten usw. verzichtet. Man weiß es natürlich nie wirklich, aber genau zu der Zeit ist dann eben die Verletzung passiert und deswegen halte ich nicht viel von sowas. Wenn ich Lust auf was Süßes habe, dann esse ich das auch. Natürlich nicht an jedem Tag, aber ich gönne meinem Körper schon immer wieder was.

Hast du Tipps bzw. Ratschläge an junge Spieler bzgl. Ausrichtung von Training, Ernährung und Tagesgestaltung?

Der eine sagt, dass das eine gut ist und der andere sagt das Gegenteil. Da muss jeder für sich den Weg finden, der für ihn am besten passt. Der eine isst fast keinen Zucker, der andere braucht wieder mehr Zucker, dass es für ihn passt und er seine Leistung abrufen kann. Das muss man über Jahre für sich entwickeln und junge Spieler müssen am Anfang sehr viel ausprobieren und herausfinden was für sie am besten passt.

Ich habe lange nach der idealen Trainingswoche gesucht, was Ernährung und Training angeht und da macht man natürlich Fehler, aber aus den Fehlern lernt man. In der nächsten Woche ist man schon wieder weiter und kann wieder was anderes ausprobieren. Da muss jeder auf sich selbst schauen.

Gegen Salzburg war meist wenig Platz vorhanden, anders im Bild.

Du wirst in wenigen Tagen deinen 27. Geburtstag feiern. Was wirst du als Routinier in den nächsten Jahren anders machen (müssen) als in deinen jüngeren Jahren?

Es wird, je älter man wird, immer wichtiger, dass man auf den Schlaf schaut, also noch mehr schläft, sich noch besser ernährt und vor allem noch mehr für den Körper macht, wie etwa noch mehr massieren zu gehen. Einfach noch mehr Körperpflege, damit nichts passieren kann und dass die Jungen einem nicht davonlaufen. Man muss auf einem guten körperlichen Niveau bleiben, das wird das Wichtigste sein, denn fußballerisch wird man sich nicht mehr viel verbessern können in den älteren Jahren.

Man hat den Eindruck, dass du immer mit 100% bei der Sache bist. Dennoch kommt es immer dazu, dass dir in manchen Spielen mehr aufgeht bzw. du mehr Präsenz am Platz zeigst und in manchen Spielen weniger. Liegt das am Spiel der Gegner (ob es dir entgegenkommt) oder ist es auch bei dir mal Kopfsache?

Man kommt nicht drum herum, dass es auch mal schlechte Spiele gibt. Es ist völlig normal, dass es bei so vielen Spielen mal zwei gute Spiele gibt und dann eines, wo es wieder nicht so passt. Das ist ganz natürlich, aber bei mir hat das sicher nichts mit dem Kopf zu tun.

Es ist oft schwierig, wenn man auf so vielen Positionen spielt. Ich nehme das so gut es geht an, aber für einen Spieler ist es dann oft nicht so leicht umzusetzen was verlangt wird. Die Bewertung ist da oft schwierig, denn ich mache ja zum Beispiel viele Laufwege nicht für mich, wo ich überhaupt keinen Ball bekomme. Die sieht der neutrale Zuseher aber nicht, denn der sieht eher den Spieler, der den Ball am Fuß hat und etwas Geniales macht. Ich bin eher der Mannschaftssportler der Laufwege für die andere macht. Deswegen bin ich nicht immer so im Fokus der Zuseher, aber das muss ich auch nicht sein. Ich weiß für mich, dass ich meiner Mannschaft helfen kann, und das hat nichts mit Formschwächen zu tun, sondern dass man in einem Spiel mehr und im anderen weniger Bälle bekommt. An den Laufwegen, um der Mannschaft zu helfen, ändert sich da bei mir aber nichts. 

Was war dein bestes und dein wichtigstes Spiel deiner Karriere?

Mein emotional schönstes Spiel war das letzte Spiel der vergangenen Saison gegen Sturm. Was da abgegangen ist, das war ein Wahnsinn. Ebenfalls ein richtig geiles Spiel war das 2:2 mit Altach gegen Rapid, als ich meinen ersten Doppelpack geschossen habe (Anm.: 4. November 2018, 13. Runde). Das emotionalste Spiel war aber das gegen Sturm, mit Abstand.

Jubel nach dem Tor gegen Sturm Graz zum Saisonende.

Deine Beratungsagentur („Family & Football“) ist in Österreich vergleichsweise unbekannt und hat einen gewissen Schwerpunkt auf türkische bzw. türkischstämmige Spieler, wie etwa Mesut Özil. Welche Kriterien sind für dich entscheidend bei der Wahl deines Beraters gewesen?

Ich hatte früher einen anderen Berater und das hat einfach nicht gepasst. Jetzt berät mich einer meiner besten Freunde, mit dem ich gemeinsam in die Schule gegangen bin. Er hat in London eine Ausbildung gemacht und dort dann gemeinsam mit dem Berater von Özil die Firma übernommen.

Mir ist es bei dem Thema am wichtigsten, und das sollte man auch an junge Spieler weitergeben, dass man, bevor man sich einen Berater nimmt, auch weiß, dass man diesem vertrauen kann. Der ist für deine Zukunft zuständig und managt dich. Wenn das nicht passt, dann muss man getrennte Wege gehen. Der Berater muss einem alles sagen, mit wem er in Kontakt ist, was gerade mit deinem jetzigen Verein ist. Wenn er nicht alles weitergibt, dann ist das eine schlechte Vertrauensbasis und Vertrauen ist sehr, sehr wichtig. Ich bin jetzt seit vier Jahren bei meiner neuen Agentur und sehr zufrieden. Sie haben auch den Transfer zur Austria abgewickelt.

Früher hast du immer wieder nach 1-2 Jahren den Verein gewechselt, erst in Altach wurdest du für drei Jahre „sesshaft“. Was war dort anders?

Grundsätzlich war schon die Vertragsdauer anders, nämlich 2 Jahre und 1 Jahr als Option. Zuvor hatte ich immer nur Einjahresverträge. In Altach war auch das Umfeld sehr familiär und sehr gut für junge Spieler. Ich konnte Einsatzminuten sammeln und mich entwickeln, vor allem unter Alex Pastoor, als wir super Ballbesitzfußball gespielt haben. Da haben wir coole Matches gegen die Austria gespielt, die auch sehr knapp waren. Ich hätte mir vorstellen können dort länger zu bleiben, einfach wegen dem Verein und den Leuten die dort arbeiten. Es war eine tolle Zeit!

Wie ist das nun bei der Austria? Bist du gekommen, um zu bleiben oder ist es als Fußballer gar nicht anders möglich, als dass man sich „immer“ umschaut?

Ich schätze den Verein sehr und bin ihm auch sehr dankbar für die Zeit, die ich hier erlebt habe. Wir haben einen neuen Schwung hineingebracht im letzten Jahr, dass es für den Verein aufwärts geht und nicht mehr bergab. Da bin ich froh und dankbar, dass ich ein Teil davon sein konnte. Natürlich ist der Fußball ein schnelllebiges Geschäft und vieles kann sich schnell verändern, daher würde ich nie das eine oder das andere ausschließen. Da bin ich sehr vorsichtig, aber mir taugt der Verein und die Leute die hier arbeiten. Ich schätze das alles sehr und kann mir gut vorstellen, dass ich länger hier bleibe.

Wie steht es mit der Verlängerung deines im Sommer auslaufenden Vertrags?

Stand jetzt hat es noch keine Gespräche gegeben. Wir haben noch keinen Stress und früher oder später wird es wohl Gespräche geben. Ich kann mir schon vorstellen langfristig bei der Austria zu bleiben.

Fischer steuerte vier Treffer zum 7:0 gegen den FC Wels bei.

Was ist deine Erwartung für die kommende Saison für die Austria?

Wir haben weiterhin eine sehr, sehr junge Mannschaft, auch wenn viele jetzt bereits ein Jahr in der Bundesliga gespielt haben. Trotzdem muss man den Ball flach halten und die wesentlichen Punkte umsetzen, was wir letztes Jahr ja gemacht haben. Wir müssen an uns auch in schlechten Situationen, die auch kommen werden, glauben und da drüberstehen, damit wir als Mannschaft gemeinsam da wieder herauskommen. Wenn es einmal nicht so gut läuft, dann ist das genau die Zeit, in der wir noch mehr zusammenhalten müssen, als wenn es ohnehin gut läuft. Dazu wollen wir eine geile Europacup-Saison spielen, dass auch die Fans wieder ins Stadion kommen und uns pushen. Natürlich wollen wir auch in der Liga und im ÖFB-Cup eine gute Saison spielen. Das ist eine absolute Dreifachbelohnung und keine Dreifachbelastung! Das haben wir uns letztes Jahr erarbeitet und absolut verdient. 

Auf welcher Position denkst du, dass du heuer am meisten spielen wirst?

Wahrscheinlich irgendwo im zentralen Mittelfeld oder ab und zu am Flügel. Aber ich will mich da gar nicht festlegen, weil es so schnell gehen kann und dann bin ich wieder links oder rechts eingesetzt. Das ist eine schwierige Prognose bei mir.

Gibt es noch etwas das du deinen Fans bzw. den Fans der Austria mitgeben willst?

Bitte unterstützt uns gleich wie letztes Jahr, denn das hat uns unglaublich gepusht als Mannschaft! Wir haben jedes Mal Gänsehaut gehabt als ihr uns begrüßt habt beim Aufwärmen. Machen wir uns gemeinsam ein richtig geiles Jahr mit einem richtig erfolgreichen Fußball!

2 Kommentare

  1. Super Interview!
    Nach AG10’s Karriereende ist MF30 mein absoluter Lieblingsspieler … ich mein wer bitte hat jemals „Dreifachbelohnung“ im Zusammenhang mit Meisterschaft, Cup und int. Bewerb gesagt? Super wie der Typ d‘rauf ist; und die Passage „(…) schon vorstellen langfristig bei der Austria zu bleiben.“ klingt für mich vielversprechend!

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