Spielberichte

UEFA Europa Conference League: Unsere Gruppe C

Austria Wien spielt international! Und das erstmals in der neu gegründeten UEFA Europa Conference League. Am Freitag (26.8.2022) wurden die Veilchen in die Gruppe C gelost:

Donnerstag, 8. September: Heimspiel vs. Hapoel Be’er Sheva (zuvor Lustenau heim, danach Hartberg auswärts)
Donnerstag, 15. September: Auswärtsspiel vs. Lech Posen (danach Ried heim)
Donnerstag, 6. Oktober: Auswärtsspiel vs. Villarreal CF (zuvor Sturm heim, danach Auswärtsderby)
Donnerstag, 13. Oktober: Heimspiel vs. Villarreal CF (danach Salzburg heim)
Donnerstag, 27. Oktober: Heimspiel vs. Lech Posen (zuvor LASK auswärts, danach Altach heim)
Donnerstag, 3. November: Auswärtsspiel vs. Hapoel Be’er Sheva (danach Tirol auswärts)

Für die Austria bedeutet die Teilnahme an der Gruppenphase auch siebenstelliges Geld von der UEFA, das nicht ungelegen kommt:

  • Fix: 2.937.500€ für die Teilnahme an der Gruppenphase
  • Prämien: 500.000€ für jeden Sieg, 166.000€ für jedes Unentschieden
  • Im Erfolgsfall: 1.250.000€ für Platz 1 (inkl. Achtelfinale-Teilnahme), 625.000€ für Platz 2 (inkl. Zwischenrunde-Teilnahme)
  • Fix, aber Höhe ungewiss: die Austria erhält zudem Geld aus dem Market-Pool und für den Koeffizienten. Die genaue Summe ist noch unklar, wird aber siebenstellig sein, schätzungsweise bei rund 1,4 Millionen Euro.

Rechenbeispiel: Wenn die Austria also gemäß der Topf-Einteilung Dritter werden und z.B. sechs Punkte holen würde, würde die UEFA über 5 Millionen Euro überweisen. Alle Details zu den UEFA-Geldern haben wir hier erläutert.

Internationale Änderungen: In Europa heißt die Generali-Arena “Viola Park” und fasst rund 14.000 Fans. Im Matchkader dürfen 23 statt 18 Spieler stehen, die Ersatzbank ist also größer. Anders als im Play-Off, wird es auch eine eigene Edition der Trikots mit weniger Sponsoren geben.

Tickets: Die Austria legt ein 3er-Abo für alle Heimspiele auf, Infos dazu finden sich hier. Einzelkarten gibt es voraussichtlich nur kurzfristig, wenn nicht alle 3er-Abos verkauft werden.

“Erste Runde Krankenstand,
dann die Oma tot,
Überstunden machen wir zur Not,
dann kommt die Kündigung, scheissegal,
Austria Wien spielt international!”

Unser Gegner aus Topf 1: Villarreal CF

Kurz-Biographie des Vereins:

Der Europa League Gewinner 2021 und Champions League Halbfinalist 2022! Im kommenden Jahr feiert Villarreal seinen 100. Geburtstag. Pünktlich dazu erleben sie derzeit erfolgreiche Zeiten mit den ebengenannten Erfolgen der zwei letzten Jahre. Die Spanier treten meist ganz in Gelb auf und werden auch “gelbes U-Boot” genannt.

Aktuelle sportliche Lage:

Villarreal ist nicht nur laut dem UEFA-Koeffizienten mit Abstand die stärkste Mannschaft des Topf 1, sondern auch die vergangenen Jahre sprechen dafür. Nach dem Europa League Gewinn 2021 wurden in der vergangenen Saison in der Champions League erst Juventus Turin und danach Bayern München rausgeworfen, jeweils ungeschlagen. Im Halbfinale war gegen Liverpool Schluss.

La Liga wurde in der vergangenen Saison auf Rang 7 beendet. Aktuell befinden sich die Spanier nach zwei Siegen in den ersten zwei Spielen an der Spitze der Tabelle – noch ohne Gegentor, obwohl beide Spiele auswärts bestritten wurden (2:0 gegen Atletico Madrid, 3:0 gegen Real Valladolid).

Am Weg in die Conference League wurde Hajduk Split im Play-Off mit 4:2 (h) und 2:0 (a) besiegt.

Bekannte Spieler / Trainer:

Villarreal hat nochmals einen fast doppelt so hohen Marktwert als Fenerbahce. Geht man nach transfermarkt.at-Schätzungen, wird Villarreals Marktwert mit 342 Millionen Euro bemessen – im Vergleich zu 19 Millionen Euro am Verteilerkreis.

Sieben Villarreal-Spieler haben jeweils für sich alleine einen höheren Marktwert als der gesamte Austria-Kader zusammen. Bekannte Namen wie Alberto Moreno, Raul Albiol oder Pepe Reina geben dem Team Routine. Trainer ist Unai Emery.

Das Auswärtsspiel in Villarreal:

Die Stadt Villarreal liegt in der Provinz Castellón, rund 60km nördlich von Valencia. Das Estadio de la Cerámica liegt eine Autostunde vom Flughafen Valencia entfernt und fasst rund 25.000 Fans. Es ist für seine steilen Tribünen und die enge Atmosphäre bekannt, wird aber selten ganz voll. Beispielsweise waren in der Champions League-Gruppenphase der Vorsaison gegen Atalanta Bergamo und YB Bern nur jeweils rund 14.000 vor Ort.

Bis rund um den Jahreswechsel wird das Stadion allerdings umgebaut und die Heimspiele anderswo ausgetragen. Austrias Gastspiel bei Villarreal findet daher im Estadio Ciudad de Valencia von UD Levante statt. Das moderne, kürzlich renovierte Stadion fasst rund 26.000 Fans und liegt in Valencia, nur rund 12km vom Flughafen entfernt, was allen mitreisenden Veilchen entgegenkommt.

Prognose:

Ein ganz großer Name in der Gruppe. Alles andere als Platz 1 mit sechs Siegen würde überraschen. Der Marktwert von Villarreal ist ungefähr 18 Mal so hoch wie jener der Austria, in den letzten zwei Jahren hat man die Europa League gewonnen und in der Champions League das Halbfinale erreicht. Dieser Gegner ist mehrere Klassen über die Veilchen zu stellen.

Unser Gegner aus Topf 2: Hapoel Be’er Sheva FC

Kurz-Biographie des Vereins:

Der israelische Pokal- und Supercupsieger! 1949 gegründet, gilt der Verein als der Arbeiterverein, der auch aus der israelischen Arbeiterbewegung entsprungen ist. Bereits vier Mal wurde man israelischer Meister, letztmals 2017, sowie im Jahr zuvor. Drei Mal wurde der israelische Pokal gewonnen, darunter 2020 und eben heuer 2022, danach auch der Supercup gegen Maccabi Haifa.

Aktuelle sportliche Lage:

Nicht nur im Pokal, auch in der Meisterschaft ist die Vorsaison für die ganz in Rot spielenden gut verlaufen. Platz 2 stand am Ende zu Buche, in 36 Runden mussten nur sechs Niederlagen hingenommen werden. International ist man in der Vorsaison hingegen bereits im Play-Off gegen Famagusta ausgeschieden. 2020/21 waren die Israelis in der Europa League Gruppenphase, wo sie sechs Punkte holten (je ein Heimsieg gegen Nizza und gegen Slavia Prag).

Die israelische Meisterschaft startet erst in der nächsten Woche am 31. August. Den Supercup konnte man bereits im Elfmeterschießen gewinnen. Zudem musste Hapoel durch drei Quali-Runden der Conference League und konnte dabei Dinamo Minsk, FC Lugano und CS U Craiova ausschalten, wenngleich Letzteres im Play-Off erst abermals im Elfmeterschießen gelang.

Bekannte Spieler / Trainer:

Wenn auch aus Topf 2 gezogen, wird der Marktwert der Israelis leicht unter jenem der Austria auf transfermarkt.at eingeschätzt. Bekannte Namen befinden sich im Kader nicht, auffällig sind viele portugiesische Legionäre. Der gerade eben erst aus Russland ausgeliehene Offensivspieler Shapi Suleymanov ist der interessanteste Mann in Hapoels Reihen. Der Trainer Elyaniv Barda spielte selbst jahrelang für den Verein und ist seit März Cheftrainer, mit einem Punkteschnitt von 2,19 auch überaus erfolgreich.

Das Auswärtsspiel in Be’er Scheva:

Die Stadt Be’er Scheva liegt mit rund 200.000 Einwohner:innen im Süden Israels, nicht unweit vom Gazastreifen. Vom Flughafen Ben Gurion ist es eine gute Autostunde (97km) nach Be’er Scheva. Dort wartet das 2015 eröffnete Turner-Stadion, in dem Hapoel seine Heimspiele austrägt und dabei bis zu 16.000 Fans begrüßen kann. Das Stadion hat, ähnlich wie bei unserem Erzrivalen, nur einen Rang, der dafür sehr langgezogen ist. Im Schnitt wird aber nur gut die Hälfte des Stadions voll, auch bei Spitzenspielen.

Prognose:

Der israelische Pokalsieger, Supercupsieger und Tabellenzweite wird ein harter Brocken, der aber ungefähr auf Augenhöhe mit der Austria einzuordnen ist, womöglich leicht darüber. Dass Hapoel von seinen letzten 48 Spielen (= gesamte letzte und Beginn dieser Saison) nur neun verloren hat und seit Anfang Mai überhaupt ungeschlagen ist, spricht für sie und ihre Stärke. Gut wäre, wenn bereits am ersten oder zweiten Spieltag ein Duell gegen die Israelis ansteht, denn nachdem die Meisterschaft erst jetzt startet, fehlt ihnen noch der Rhythmus. 

Erfreut über das Los ist sicherlich Austrias Israeli Matan Baltaxa. Er stand in der vergangenen Saison gleich fünf Mal gegen Austrias Gruppengegner am Feld (vier Mal in der Liga, einmal im Cup) – mit drei Niederlagen, einem Remis und einem Sieg. Weil Baltaxa israelisch-polnischer Staatsbürger ist, ist das folgende vierte Team der Gruppe für ihn endgültig der Jackpot:

Unser Gegner aus Topf 4: Lech Posen

Kurz-Biographie des Vereins:

Der polnische Meister! Im März feierten die Blau-Weißen ihren 100. Geburtstag. Besser hätte es gar nicht passen können, dass Lech heuer zum achten Mal Meister wurde. Dass die Polen nicht zum ersten Mal in einer Gruppenphase stehen, weiß man in Wien-Favoriten nur zu gut, denn das Duell ist ein Wiedersehen, nachdem man 2008 in der letzten Qualirunde vor der Europa League-Gruppenphase aufeinander getroffen ist und die Veilchen in der letzten Sekunde der Verlängerung ausschieden.

Aktuelle sportliche Lage:

So überragend die vergangene Saison mit dem Meistertitel war, so holprig verlief der Liga-Start heuer mit nur einem Punkt aus den ersten vier Runden. Das könnte auch daran liegen, dass im Sommer viele Spieler abgegeben und der Trainer gewechselt wurden.

International ist die Saison für Lech bereits längst gestartet: in der ersten CL-Quali-Runde schied man gegen Qarabag FK aus (1:0 im Hinspiel, 1:5 im Rückspiel), in der Conference League konnte man dafür Dinamo Batumi, Vikingur (nach Verlängerung) und Düdelingen (mit jedoch nur einem Sieg) ausschalten.

Bekannte Spieler / Trainer:

Ein viel stärkeres Team als den polnischen Meister hätte es in Topf 4 wohl kaum gegeben, das zeigen auch die Marktwerte, in denen Lech klar über die Austria und Hapoel zu stellen ist. Die Mannschaft umfasst gleich 15 Legionäre, darunter den schwedischen Kapitän und Stürmer Mikael Ishak mit 43 Toren in 76 Spielen für Lech.

Trainer ist seit dieser Saison der Niederländer John van den Brom, der lange Zeit den RSC Anderlecht und AZ Alkmaar erfolgreich trainirt hat.

Das Auswärtsspiel in Posen:

In Posen wartet das größte Stadion dieser Gruppe. Das Stadion Poznań wurde 2010 wiedereröffnet und war auch Schauplatz der EURO 2012. Über 42.000 Fans haben darin Platz, bei den letzten Heimspielen kamen jedoch nur zwischen 10.000 und 15.000 auch tatsächlich dorthin.

Dass die Fans von Posen stimmgewaltig und nicht immer friedlich sind, kann man vielerorts bezeugen – sei es 2008 in Wien oder dieser Tage in Frankfurt, wo Lech-Fans am Weg nach Düdelingen einen Stopp eingelegt haben, um sich mit Eintracht-Hooligans zu prügeln. Jeweils rund 100 Gewaltbereite auf jeder Seite standen dabei in der Aufstellung.

Posen liegt im Westen Polens und ist die Heimat von rund 550.000 Menschen. Von Wien sind es rund 700 Kilometer und sieben Autostunden. Der Flughafen Posen ist von Wien nur mit einem Stopp, nicht aber per Direktflug, erreichbar.

Prognose:

Eine weitere sportliche Herausforderung. Der amtierende polnische Meister ist rein vom Marktwert klar über die Austria zu stellen, erlebte aber im Sommer einen Umbruch und einen denkbar schlechten Start in die neue Saison mit einem Punkt aus vier Liga-Spielen. Umso besser wäre es für die Austria, wenn es möglichst bald, z.B. am ersten Spieltag, zum Wiedersehen mit Lech käme.

Fazit zur Gruppe C

Eine sportlich sehr herausfordernde Gruppe gegen:

  • den amtierenden CL-Halbfinalisten und EL-Sieger 2021
  • den amtierenden israelischen Pokalsieger, Supercupsieger und Tabellenzweiten, der nur 9 der letzten 48 Spiele verloren hat
  • den amtierenden polnischen Meister, der aber holprig in die neue Saison gestartet ist
Die Austria ist in der Gruppe der einzige Verein, der zuletzt keinen Titel feiern konnte. Mit einigen guten Tagen könnte Platz 2 dennoch möglich sein. Umgekehrt dürfte die Gruppe, abseits von Villarreal, so ausgeglichen sein, dass auch Platz 4 keinesfalls ausgeschlossen ist.

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