Spielberichte

Der violette 360° Blick: Woche #9

Vier Bundesliga-Runden in Folge ist die Austria ungeschlagen! Dass die große Euphorie rund um die Veilchen derzeit trotzdem ausbleibt, liegt daran, dass aber auch nur zwei der vier Spiele gewonnen werden konnten, die Punktverluste gegen Klagenfurt (3:3) und nun Austria Lustenau (2:2) unnötig erschienen.

Während in der Bundesliga der TSV Hartberg wartet, ist das Highlight der Woche zweifellos der Start in die lang ersehnte internationale Gruppenphase. Im Mai wurde diese gegen Sturm Graz fixiert, jetzt wartet mit Hapoel Be’er Sheva der erste Gegner.

360° rund um die Austria – wie jeden Dienstag. Zurück, in die Gegenwart und nach vorne.

Die Austria-Elf kurz vor dem Anstoß gegen die grün-weiße Austria aus Lustenau.

Der Blick zurück: Sieg gegen Siegendorf, Remis gegen Lustenau

5:0-Sieg gegen den ASV Siegendorf

So holprig es defensiv in der neuen Spielzeit auch noch läuft, im ÖFB-Cup hat die Austria eine weiße Weste ohne ein einziges Gegentor. Ähnlich souverän wie der Auftakt gegen den FC Wels war (7:0), gelang auch das Weiterkommen in Runde 2 gegen den burgenländischen Regionalliga-Aufsteiger ASV Siegendorf. Dieser versteckte sich keineswegs, präsentierte sich gegen die Austria durchaus mutig, war letztlich aber chancenlos.

Tore von Andreas Gruber (2x), Haris Tabakovic, Dominik Fitz und Aleksandar Jukic sorgten für einen klaren 5:0-Sieg auf der Hohen Warte, der noch höher ausfallen hätte können, wenn nicht die eigene Chancenauswertung und Aluminium im Weg gestanden wären.

Die dritte Cup-Runde ist bereits das Achtelfinale des Bewerbs. Nach der Hohen Warte in der vergangenen Runde, geht es diesmal auf eine weitere sehr traditionsreiche Spielstätte Wiens, nämlich den Sportclub-Platz. Der WSC wartet dort auf die Austria, gespielt wird am Mittwoch, 19. Oktober 2022, oder Donnerstag, 20. Oktober 2022, Details sind noch offen. Zumindest eine weiße Weste wird dabei definitiv befleckt, denn auch der Sportclub ist in der Cup-Saison noch ohne Gegentor. Auf ein 3:0 beim SAK folgte ein 2:0-Heimsieg gegen die Lustenauer Austria.

2:2-Remis gegen Austria Lustenau

Was dem Wiener Sportclub also gelungen ist, blieb der Wiener Austria verwehrt, nämlich ein Heimsieg gegen Austria Lustenau. Obwohl in den ersten 15 Minuten alles danach aussah – nicht nur, aber auch wegen eines schnellen Führungstreffers durch Reinhold Ranftl -, ließ die violette Defensive den Gegner mit zunehmender Spielzeit immer besser in die Partie finden und das Spiel drehen. Erst nach der Pause konnte die Austria wieder an die starke Beginnphase anknüpfen und zumindest ausgleichen. Einen Sieg verhinderte auch die Latte, die Versuche von Keles und Fitz abwehrte.

Im Zentrum des Spiels stand auch eine Formationsänderung von Manfred Schmid zur Halbzeit, vom 5-2-3 (das erstmals in dieser Saison praktiziert wurde, zuletzt war es ein 5-2-1-2, zudem spielte erstmals Galvao als zentraler, Mühl als halbrechter Innenverteidiger) zum bewährten 4-4-2. Dass die Austria im 5-2-3 mit 1:2 verlor und im 4-2-3-1 mit 1:0 gewonnen hat, kommt nicht ganz überraschend. Mit Ausnahme des Auftaktspiels in Salzburg hat die Austria im gesamten Jahr 2022 noch kein Spiel in der 4-2-3-1-Formation verloren. Alle Niederlagen wurden in einer anderen Formation, meist mit einer 5er-Kette, kassiert, so auch in Altach, wo man zur Halbzeit bei 1:0-Führung umstellte, sowie zwei Mal gegen Fenerbahce mit insgesamt sechs Gegentoren, eben trotz dieser Fünferkette.

Das Spiel gegen die WSG Tirol war für Trainer Schmid ausschlaggebend, auf die 5er-Kette umzustellen. Zwar wurde dieses gewonnen, aber Bälle hinter die Abwehr sorgten für große Gefahr, zumal die Austria im defensiven Mittelfeld eine Schwachstelle hat. Mit der 5er-Kette erhoffte sich Schmid also ein kompakteres Zentrum in der Defensive, das nicht so leicht durch Pässe in die Tiefe auszuhebeln ist.

Bloß: eine 5er-Kette stellt an die Defensivspieler ganz andere Anforderungen als eine 4er-Kette. Auf die Außenverteidiger wartet mehr Laufarbeit, die für Ranftl und Martins aber kein Problem ist. Jedoch müssen die beiden Innenverteidiger in den Halbräumen große Räume verteidigen. Das kann Galvao einigermaßen, aber nicht Billy Koumetio, der ganz andere Stärken mitbringt. Auch Lukas Mühl ist nicht dafür prädestiniert, sondern als zentraler Innenverteidiger besser aufgehoben. Dann fehlt aber wiederum ein Rechtsfuß, denn sowohl Galvao als auch Koumetio sind Linksfuß, Handl zum bereits zweiten Mal in der noch jungen Saison verletzt.

Auch wenn Schmid die Anordnung der 5er-Kette diesmal umstellte, war diese instabiler als die 4er-Kette in der zweiten Halbzeit. Sowohl ein Treffer als auch ein Stangenschuss der Gäste entstand erneut durch einen Pass in die Tiefe, mit dem Koumetio überlistet wurde. Dass das 1:2 aus einem Fehlpass im FAK-Spielaufbau entstanden ist, passt zu vielen Gegentoren der letzten Wochen, sei es in Istanbul oder in Klagenfurt.

Nicht nur im erfolgreichen Frühjahr, auch in der bisherigen Saison zeigt das 4-2-3-1 deutlich größere Erfolge und ausgeprägtere Automatismen. Zwar ist es falsch, der Formation zu viel Bedeutung zuzumessen, auch im Spiel gegen Lustenau, dennoch ist es naheliegend, wieder öfter dieser in der Vorbereitung fast immer gespielten Formation zu vertrauen. Auch hier hat der Austria-Kader aber zwei offensichtliche Schwachstellen:

  • Anders als in der 5er-Kette, ist in der 4er-Kette die Innenverteidigung gut besetzt. Jedoch wiegt in der 4er-Kette schwerer, dass mit Martins ein Rechtsfuß als linker Außenverteidiger aufläuft.
  • Die Austria ist im defensiven Mittelfeld nach dem Abgang von Eric Martel nicht mehr so lauf- und zweikampfstark aufgestellt. Holland stand zuletzt selten in der Startelf, Fischer und Braunöder sind keine klassischen “Sechser”, die defensive Löcher stopfen, die durch einen offensiven Spielstil entstehen.

Hinter den Kulissen kommt es nicht ganz aus heiterem Himmel, dass es zwischen der Spielidee von Schmid und den Möglichkeiten des Kaders Diskrepanzen gibt, nicht zuletzt durch die zahlreichen Ausfälle. Es war Schmid selbst, der im August-Interview mit verteilerkreis.at sagte, derzeit kaum eine 3er/5er-Kette spielen zu können. Erstmals fand er nach dem Spiel gegen Austria Lustenau auch in der Öffentlichkeit klare Worte und übte Kritik an der Zusammenstellung des Kaders:

“Wir haben im Zentrum Probleme, die Zweikämpfe zu gewinnen. Da müssen wir stabiler stehen. Uns fehlt die klare Nummer 6, die alles abräumt. Ich muss niemanden an Eric Martel erinnern, der da viel Arbeit übernommen hat. Im Moment spielen mit Fischer und Braunöder zwei eher offensiv orientierte Spieler auf dieser Position. (…) Es ist klar abgesprochen, dass wir das Geld aus dem Österreicher-Topf brauchen und wir uns daran halten. Wenn ich Martins weggelassen hätte, wäre es schwierig gewesen, da Ersatz zu finden. Wenn ich Tabakovic weggelassen hätte, hätte ich keine Sturmspitze gehabt. Ich kann zurzeit zwischen Pest oder Cholera wählen. Jede Entscheidung, die ich treffe, kann man mir im Nachhinein als schlecht auslegen.”Manfred Schmid nach dem 2:2 gegen Austria Lustenau bei der Pressekonferenz”

Wenn ein Trainer derart klare Worte wählt und von der Auswahl “zwischen Pest oder Cholera” spricht, müssen intern die Alarmglocken schrillen. Aber auch Schmid muss sich die Frage gefallen lassen, ob die 5er-Kette gegen Klagenfurt und Lustenau jeweils die richtige Entscheidung war, auch überraschte, dass er in der Schlussviertelstunde Teigl für Tabakovic einwechselte und Fitz als “falsche 9” nominierte.

Für das Flankenspiel war dies wenig förderlich. Anders als in der Vorsaison, kommt inzwischen ein Großteil der Flügelangriffe über rechts. Ranftl hatte 74 Ballaktionen, Martins kam nur auf 42. Ein sehr starkes Zeugnis stellten die Daten auch Manfred Fischer trotz seiner defensiveren Positionierung aus: 71 Ballaktionen, die meisten Pässe in der gegnerischen Hälfte, über 91% Passquote, die meisten Torschüsse. Der zuletzt so torgefährliche Andreas Gruber gab an diesem Abend hingegen keinen einzigen Torschuss ab.

Jukic kam, sah und traf nach gut 10 Minuten Einsatzzeit.
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Der Blick in die Gegenwart

Die Gegenwart steht ganz im Zeichen der nächsten Aufgaben. Am Donnerstag eröffnet die Austria gegen Hapoel Be’er Sheva die Gruppenphase der UEFA Europa Conference League, der Vorverkauf hierfür läuft durchgehend in Form von 3er-Abos und ab Mittwoch-Vormittag auch mit Tageskarten.

Ein wichtiger Teil der Gegenwart ist auch ein Blick auf die Verletztenliste:

  • Ziad El Sheiwi konnte in der vergangenen Woche bei den Young Violets sein Comeback geben. Er blieb schmerzfrei, die Auswechslung zur Halbzeit war bereits vorab vereinbart. Sein Comeback in der Kampfmannschaft könnte gegen die SV Ried in eineinhalb Wochen erfolgen.
  • Johannes Handl und Muki Huskovic stehen vor einer Rückkehr, das Ziel ist bereits der kommende Donnerstag,.
  • Armand Smrcka, Matan Baltaxa und Marko Raguz stehen noch nicht im Mannschaftstraining, Florian Wustinger wird dies ohnehin erst 2023 wieder.

Angesichts der Ausfälle ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Manfred Schmid am Donnerstag neuerlich nicht das international mögliche Kontingent von 23 Kaderspielen ausschöpfen wird, zumal die Young Violets tagsdarauf gegen den unmittelbaren Konkurrenten Vorwärts Steyr spielen.

Verfügbare 3er-Abos für die UEFA Europa Conference League

Danke an unXspoken für das hilfreiche Tool! 

Der hier verfügbare Stand umfasst nicht West 2. Rang (gesperrt), reservierte UEFA-Kontingente (rund 600-800 Tickets) und sämtliche VIP-Bereiche. Ohne all dem gingen am Dienstag rund 8.500 Abos in den Verkauf. Am Mittwoch, ab 10 Uhr, startet der Verkauf von Einzelkarten für das Heimspiel gegen Hapoel Be’er Sheva.

15000
Stand vom Mi, 7. September 2022, 19:00 Uhr
Reinhold Ranftl wurde zuletzt als rechter Außenverteidiger immer stärker, gegen Lustenau schlug er mit Abstand die meisten Flanken und gehörte zu den Spielern mit den meisten Ballaktionen. Zwei Spiele in Folge traf er nach einem Eckstoß per Schuss von der Strafraumgrenze.

Der Blick nach vorne I: UEFA Europa Conference League, MD 1 gegen Hapoel Be'er Sheva

Eine ganze Saison hat die Austria auf diesen Tag hingearbeitet: den Auftakt in eine internationale Gruppenphase.

Am Donnerstag (8. September, Anpfiff 18:55 Uhr, Viola Park) gastiert der israelische Cupsieger, Supercupsieger und Zweite der Meisterschaft Hapoel Be’er Sheva bei den Veilchen.

Der rot-weiße Arbeiterverein ist ungefähr auf Augenhöhe mit der Austria einzuordnen. In der Vorsaison verloren die Israelis nur eine Handvoll Spiele, heuer war der Start in die neue Saison zwar international (in sechs Spielen noch ungeschlagen und somit in die Gruppenphase eingezogen) und im Supercup (Sieg gegen Meister Maccabi Haifa) erfolgreich, nicht aber in der Meisterschaft, wo man nach drei Spielen bei einem Auswärtssieg und zwei Heim-Niederlagen steht, zuletzt am Samstag 1:2 gegen den  Meister aus Haifa, was über 14.000 Fans in das Stadion von Be’er Sheva lockte.

Austrias Gäste variieren, wie auch die Veilchen selbst, zwischen einer 4er- und einer 5er-Kette, wobei die Anordnung dann meist im 4-3-3 oder im 5-3-2 erfolgt. Im Kader stehen viele Portugiesen, jedoch kaum bekannte Namen. Einzig der 35-jährige Stürmer Itay Shechter ist womöglich vielen Fans ein Name, absolvierte er schließlich 27 A-Länderspiele und lief auch für Swansea, Kaiserslautern und Nantes auf.

Hapoel hat schmerzhafte Ausfälle zu verkraften: Der Kapitän und Abwehrchef Miguel Vitor war zuletzt verletzt und ist fraglich. Der aus Argentinien stammende Ersatzkapitän Mariano Bareiro, als “Sechser” gesetzt, fehlt gesperrt.

Im ÖFB-Cup hatte Andreas Gruber viel zu jubeln.

Der Blick nach vorne II: Runde 8 gegen den TSV Hartberg

Erstmals seit Februar, trifft die Austria am Sonntag (11. September, erstmals in dieser Saison um 14:30 Uhr) auf den TSV Hartberg. Manfred Schmid verbindet gute Erinnerungen an die Steirer, denn gegen sie ist er noch ungeschlagen. Einem spektakulären 4:3-Auswärtssieg im Herbst folgte im Frühjahr zuhause ein souveräner 2:0-Erfolg.

Für Manfred Fischer ist dies ein Duell mit seinem Ex-Verein, wobei er bei beiden Aufeinandertreffen in der Vorsaison je ein Tor erzielt hat. Umgekehrt traf aber auch Dario Tadic zwei Mal gegen seinen Ex-Verein, die Austria.

Kurt Russ ist inzwischen nicht mehr beim TSV tätig, es kommt auf den Trainerbänken zum Duell zwischen (Manfred) Schmid und (Klaus) Schmidt. Letzterer konnte bisher 7 Punkte in sechs Spielen bejubeln, womit die Hartberger durch Austrias Minuspunkte in der Tabelle knapp vor den Veilchen liegen. Nach drei Niederlagen in Folge, konnte Hartberg zuletzt wieder anschreiben: erst wurde die SV Ried 2:0 besiegt, am vergangenen Wochenende wurde trotz Unterzahl über 80 Minuten beim SK Sturm ein 0:0 gehalten. Eben jene Unterzahl sorgt dafür, dass Matija Horvat gegen die Austria gesperrt fehlt. Für den FAK ist das nicht ganz neu: wie bei Be’er Sheva, fehlt also auch beim nächsten Gegner der Stamm-“6er” gesperrt.

Manfred Fischer beim letzten Aufeinandertreffen mit dem TSV Hartberg. Die Austria blieb in der Vorsaison bei beiden Duellen siegreich.

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